Maria und Engel von einer Verkündigungsgruppe

Maria und Engel von einer Verkündigungsgruppe

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 18.15, S. 464.

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Leihgeber: Filialkirche hl. Katharina (Navis, Tirol)
Maria und Engel von einer Verkündigungsgruppe

© Bundesdenkmalamt, Wien


Um 1330/1340
Zirbenholz, Maria Höhe 155 cm, vollrund, Engel Höhe 160 cm, rückseitig gehöhlt, wiederverschlossen, ursprüngliche Fassung (Restaurierung 1994/1995 in den Werkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien von Rosl Laub und Heide Stanicic).
Die monumentale Skulpturengruppe stammt aus der 1331 geweihten Kapelle der ehemaligen Burg Aufenstein im Wipptal.

Die stille Vornehmheit, die Demut im Gesichtsausdruck der Maria, der verheißende Blick des Engels mit dem belehrenden Gestus des Zeigefingers sind sensible Äußerungen der ansonsten blockhaften Schwere der Körper. Der weiche Fluß der dünnwandigen Falten, die dichte Überlagerung der Gewandbahnen betonen einerseits die Massigkeit, andererseits die Eleganz der Skulptur. Die Dramatik der etwa gleichzeitig entstandenen Assistenzfiguren der Kreuzigung in der Kapelle von Schloß Tirol, die auch der Maria und dem Johannes in der Spitalskirche Meran eigen ist, fehlt hier und beleuchtet eine andere stilistische Herkunft der Verkündigungsgruppe: In der Eleganz wird vielmehr die Nähe zur Gruppe der Krönung Mariens aus dem Kloster St. Georgenberg, heute im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart, offenkundig, und die Klassizität weist in Richtung der Figuren des rechten Westportals am Straßburger Münster (um 1280/1290).


Gert Ammann


Literatur: Carl Theodor Müller, Mittelalterliche Plastik Tirols. Von der Frühzeit bis zur Zeit Michael Pachers (= Forschungen zur deutschen Kunstgeschichte 6 = Schriften der Deutschen Akademie 25, Berlin 1935), S. 24, 120. – Gotik in Tirol. Malerei und Plastik des Mittelalters. Katalog der Ausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Innsbruck 1950), Nr. 10. – Erich Egg, Kunst in Tirol. Baukunst und Plastik (Innsbruck-Wien-München 1970), S. 268. – Theodor Müller, Gotische Skulptur in Tirol (Bozen-Innsbruck 1976), S. 15, Abb. 8, 9. – Bedeutende Kunstwerke. Gefährdet - konserviert - präsentiert. Bearb. von Manfred Koller. Ausstellungskatalog Österreichische Galerie Wien (Wien 1995).