Maria mit Kind

Maria mit Kind

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 18.7, S. 460.

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Leihgeber: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Innsbruck, Tirol), P 2115
Maria mit Kind

© Foto Frischauf, Innsbruck


Um 1180/1190
Lindenholz, Höhe 70 cm, rückseitig gehöhlt, Reste alter Fassung
Die Figur stammt vermutlich aus der St. Peter- und Paulskapelle in Götzens.

Die Skulptur entspricht dem Typus der Maria als Thron Gottes. Die strenge Frontalität und die Geschlossenheit der Form betonen die Komplexität des Bildwerkes. Das Kind ist aus der Symmetrie nach rechts (vom Betrachter aus gesehen) gerückt und bildet nun einen optischen Ausgleich zu dem nach links gesetzten Oberkörper Mariens.
Die Gewandung ist nur in der Knie- und Armzone gewellt; die Faltenbildung im roten Gewand des Kindes ist graphisch bestimmt.
Die Blockhaftigkeit ist der Bauplastik verpflichtet. Die einfach geschlossene Konturform des hochovalen Kopfes mit dem Kronreif und die glatt dem runden Kopf des Kindes anliegende "Haarkappe" verstärken die hoheitsvolle Wirkung.
Im Vergleich zu den um 1200 entstandenen Prophetenfiguren aus Wenns im Pitztal ergibt sich eine analoge stilistische Orientierung nach Südwestdeutschland bzw. dessen Einfluß nach Tirol. Für die Entstehungszeit gegen Ende des 12. Jahrhunderts spricht neben der Gesamtkonzeption die Pose der überkreuzten Beine des Kindes, die im Gegensatz zu den im Typus vergleichbaren Madonnen auf der Churburg oder jener aus dem Tauferer Tal im Diözesanmuseum Brixen die Vertikale als akzentuiertes Moment zeigt.


Gert Ammann


Literatur: Gert Ammann, Erwerbungen. Legate, Stiftungen, Leihgaben 1980 - 1985. Katalog der Ausstellung zum 65. Geburtstag von Direktor Erich Egg. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck (Innsbruck 1985), S. 6, Nr. 1.