Taufbecken

Taufbecken

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 18.6, S. 460.

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Leihgeber: Stadtmuseum Bozen (Südtirol), A 9
Taufbecken

© Foto Walder, Brixen


13. Jahrhundert
Marmor, Höhe 107 cm (mit Sockel 165 cm), Durchmesser 108 cm
Bozen, Domkirche Maria Himmelfahrt

Der Sockel des aus gelblichem Trienter Marmor gehauenen Taufbeckens hat die Form eines gestürzten Würfelkapitells. Die Fassade des Beckens unterliegt einer horizontalen Zweiteilung: Über einem Sockelwulst zieht sich eine Reihe von vegetabilen Blattmotiven hin, von denen die größeren mit eingerollten Enden sich zu Rundbogenformen neigen, unter denen dann stilisierte Dreiblattmotive stehen. In der oberen Zone unterteilen 14 Rundbogenarkaden das Beckenrund, die Bögen sitzen auf Halbsäulchen mit Würfelkapitellen, die Bogenfelder zeigen einfache und doppelreihige Rosetten mit fünf oder sechs Blütenblättern und Tieren, darunter einen Löwen und abgewandt von diesem einen Vogel (Taube ?).
Von 1830 bis zur Erwerbung durch den Bozener Museumsverein 1887 diente das Becken als Brunnenschale im Hof des Landeshauptmannschaftsgebäudes. Gradt und Atz hatten eine Datierung des Beckens ins späte 12. Jahrhundert vorgenommen, Arslan dachte an eine Entstehung im 13. Jahrhundert und Rasmo (1949) rückte den Entstehungstermin in die Zeit um 1300. Taufbecken mit 11- bzw. 13-feldriger Arkadenunterteilung mit stilisierter Pflanzenfüllung besitzen die Kirchen von Altötting und Burgkirchen am Wald in Oberbayern.


Leo Andergassen


Literatur: J. Gradt. Ein romanisches Taufbecken in Bozen, in: Mittheilungen der k.k. Central-Comission 19 (1874), S. 111. – Karl Atz, Kunstgeschichte von Triol und Vorarlberg (Innsbruck ²1909), S. 299f, Fig. 295. – Wart Arslan, Il Museo dell'Alto Adige a Bolzano (Bolzano 1938), S. 25. – Nicolò Rasmo, Mittelalterliche Kunst Südtirols, Ausstellungskatalog Bozen (1949) Nr. 5. – Nicolò Rasmo, Das Bozner Stadtmuseum. Kurzer Führer (Bozen 1981). – Hermann Theiner, Vinschger Tauf- und Weihwassersteine. Zeugen alter Steinmetzkunst (= (Schriften des Landwirtschaftlichen Museums Brunnenburg. N.S. 4, Dorf Tirol 1991), S. 60f. – Josef Weingartner, Die Kunstdenkmäler Südtirols 2: Bozen und Umgebung, Unterland, Burggrafenamt, Vinschgau (Bozen/Innsbruck/Wien 7. Aufl. 1991), S. 21 Abb.