Bodenplatten aus dem Praemonstratenserchorherrenstift Wilten

Bodenplatten aus dem Praemonstratenserchorherrenstift Wilten

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 15.72, S. 408.

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Leihgeber: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Innsbruck, Tirol), K 209 a,b
Bodenplatten aus dem Praemonstratenserchorherrenstift Wilten

© Foto Frischauf, Innsbruck


14. Jahrhundert
Ton, gebrannt, 20 x 20 cm

Auf den zum Teil schon sehr stark abgetretenen Bodenplatten ist ein mit einer Keule kämpfender, kniender Mann dargestellt. Die Regel des Prämonstratenserordens, der vom heiligen Norbert von Xanten 1120 gegründet wurde, sieht sowohl seelsorgliche Tätigkeit als auch mönchische Selbstheiligung vor.
In dem der Sage nach vom Riesen Haymon im 9. Jahrhundert gegründeten Kloster Wilten – es wurde auf dem Boden des ehemaligen römischen Kastells Veldidena errichtet – ließen sich im 12. Jahrhundert Prämonstratenserchorherren nieder. Im Jahr 1138 bestätigte Papst Innozenz II. die Gründung des Ordens in Wilten. Durch Verkauf des Gebietes der heutigen Innsbrucker Altstadt an die Grafen von Andechs erhielt das Kloster eine Vorrangstellung, denn bis ins 17. Jahrhundert gehörte die Stadt Innsbruck, kirchlich gesehen, zu Wilten. Mit Meinhard II., dem landesfürstlichen Stadtherren, schloß Abt Witmar 1281 einen Vertrag, in dem das Kloster dem Landesherren die volle Gerichtsgewalt in der Innsbrucker Neustadt (= das Gebiet der heutigen Maria-Theresien-Straße) übergab und dafür Zollfreiheit für den von den klösterlichen Gütern in Südtirol stammenden Wein erhielt.
Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1299 errichtete man eine neue Klosteranlage, deren Grundzüge noch heute erkennbar sind. Es folgten mehrere Umbauten im 15. Jahrhundert, und nach einem Turm- und Kircheneinsturz im 17. Jahrhundert entstand schließlich die heute noch sichtbare barocke Anlage, die im großen und ganzen um 1720 fertiggestellt war. Schwere Einbußen erlitten die Wiltener Chorherren durch die bayerische Verwaltung Anfang des 19. Jahrhunderts Im Zweiten Weltkrieg wurde die Klosteranlage bombardiert, schwer beschädigt und wiederaufgebaut.
Das Kloster Wilten nimmt heute noch in der Rangordnung der Tiroler Klöster die erste Stelle ein.


Claudia Sporer-Heis


Literatur: Franz Caramelle, Richard Frischauf, Die Stifte und Klöster Tirols (Innsbruck-Wien- Bozen 1985), S. 47-58. – Franz-Heinz Hye, Wilten und Innsbruck - Geschichte einer mehrschichtigen Zweierbeziehung, in: 850 Jahre Prämonstratenserchorherrenstift Wilten (Innsbruck 1988), S. 115.