Siegel des Collegiatkapitels Unserer lieben Frau im Brixner Kreuzgang

Siegel des Collegiatkapitels Unserer lieben Frau im Brixner Kreuzgang

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 15.14, S. 382.

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Leihgeber: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Innsbruck, Tirol), 67/M IV
Siegel des Collegiatkapitels Unserer lieben Frau im Brixner Kreuzgang

© Foto-Atelier Erhard, Fulpmes


1. Viertel 13. Jahrhundert
Rotgefärbtes Wachs, in Wachsschüssel, spitzoval, 52 x 34 mm (72 x 50 mm)
Siegelumschrift: S(IGILLUM) : ECLESIE : S(AN)C(T)E : MARIE : IN BRIXIA
Darstellung der Krönung Mariens, darunter die Heiligen. Maria Magdalena (mit Salbentiegel) und Pankratius (mit Schwert und Martyrerpalme)

Eine Einrichtung, die in engem Zusammenhang mit dem Brixner Dom stand, ist das Collegiatkapitel im Brixner Kreuzgang bzw. in der Liebfrauenkirche, der früheren bischöflichen Palastkapelle. Das Kapitel begründete Bischof Konrad von Rodank vermutlich im Jahr 1214. Die Stiftung umfaßte die Propstei und vier Kanonikate. Die Geistlichen waren verpflichtet, nicht nur in dieser Kirche Gottesdienste zu halten, sondern auch im Domchor mitzuwirken. Da die Liebfrauenkirche zum bischöflichen Hof gehörte, hatte der Bischof das Recht, jeweils den Propst einzusetzen, so daß das Collegiatkapitel immer in einer Abhängigkeit vom Domkapitel blieb. Als Propst fungierte fast durchwegs ein Brixner Domherr. Selbstverständlich war auch die Angelegenheit der Einkünfte geregelt. Vor allem standen dem Collegiatkapitel die Einnahmen aus der Pfarre Algund zu, die dem Collegiatstift inkorporiert war. Im Jahr 1281 wurde das Kapitel auf sechs Kanoniker erweitert. – Das Collegiatkapitel wurde unter bayerischer Verwaltung 1808 aufgelöst.


Meinrad Pizzinini


Literatur: Karl Wolfsgruber, Das Collegiatkapitel Unserer Lieben Frau im Brixner Kreuzgang, in: Südtirol. Land europäischer Bewährung (= Schlern-Schriften 140, Innsbruck 1955), S. 271-278.