Typar

Typar

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 11.25, S. 295.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Privatbesitz
Typar

© Tiroler Landesarchiv Innsbruck, Santer


1. Hälfte 14. Jahrhundert
Siegelführer: Pacilino
Bronze, Höhe 25 mm, Durchmesser 26 mm, Gegenstempel Durchmesser 14 mm
Umschrift: + S(IGILLUM) PACILInO
Der Typ der Umschrift entspricht einer gotischen Majuskel der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. (vergleiche entsprechende datierte Inschriften bei Koch, 1969, 38f und Koch, 1975, 90, Abb. 4)

Dieser Siegelstempel ist aus massiver Bronze und besteht aus einem Hauptstempel sowie einem nur mehr zu 3/4 erhaltenen Gegenstempel; der verbindende Schaft ist von einer Rundöse durchbrochen, die wohl zum Durchführen einer Schnur oder Kette gedacht war, damit sich der Siegelführer das Typar beispielsweise um den Hals hängen konnte. Die Deutung des durch einen zarten Perlstab von der Umschrift abgegrenzten Siegelbildes als Rad mit Nabe und sechs Speichen ist jener als Blume (Rose) vorzuziehen. Der Gegenstempel wiederholt das Siegelbild in verkleinerter Ausführung.
An der Oberseite des Hauptstempels befindet sich gegenüber dem Kreuz der Umschrift eine mit der Spitze nach außen gerichtete pfeilförmige Einkerbung, wohl als Orientierungshilfe zum platzierten Aufdrücken des Typars gedacht.
Das Objekt wurde um 1980 im Hofbereich vor der Westfassade des Stiftes Stams gefunden und dürfte dort einst von seinem Eigentümer, wahrscheinlich einem Romanen (Kaufmann?), verloren worden sein.


Christian Fronwagner


Literatur: Walter Koch, Epigraphica - Ein Leitfaden zur Transkription und schriftkundlichen Einordnung von mittelalterlichen und neuzeitlichen Inschriften, in: Unsere Heimat 46 (1975), H 2, S. 69-94. – Walter Koch, Paläographie der Inschriften österreichischer Fresken bis 1350, in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 77 (1969), S. 1-42.