Die Florentiner Kaufleute Lambertuccius und Johannes de Frescobaldis bestätigen eine Bankeinlage Meinhards II.

Die Florentiner Kaufleute Lambertuccius und Johannes de Frescobaldis bestätigen eine Bankeinlage Meinhards II.

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 11.21, S. 293.

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Leihgeber: Haus-, Hof- und Staatsarchiv (Wien), AUR 1293 X 2
Die Florentiner Kaufleute Lambertuccius und Johannes de Frescobaldis bestätigen eine Bankeinlage Meinhards II.

© Fotostudio Otto, Wien


1293 Oktober 2, Florenz
Urkunde, Original Pergament, 42 x 44 cm, mit anhangendem Siegel der Florentiner Handelsgesellschaft, Durchmesser 38 mm


Abb. im Katalog von Fotostudio Otto, Wien

Lambertuccius und Johannes de Frescobaldis sowie fünf weitere, namentlich genannte Mitglieder einer Florentiner Kaufmannsgenossenschaft ("societas") bekennen, daß Meinhard, Herzog von Kärnten und Graf von Tirol, über eine Einlage ("depositum") in der Höhe von 4.039 Pfund, 3 solidi und 10 Denare venezianischer grossi bei ihrer Gesellschaft verfügt.
Spätestens seit dem Jahre 1290 unterhielt Meinhard II. intensive Geschäftsverbindungen zu der Florentiner Gesellschaft des Lambertuccio Frescobaldi, deren Inhaber zur kaufmännischen Oberschicht ihrer Vaterstadt zählten und die in zahlreichen wirtschaftlichen Zentren Italiens, wie etwa in Padua, über Niederlassungen verfügten. Meinhard veräußerte an die Florentiner Gold, das er aus Deutschland bezog, und überwies auch hohe Geldbeträge an die Gesellschaft. Das so entstandene Guthaben wurde zum Teil für Einkäufe in Venedig und Padua verwendet, die Beauftragte Meinhards in diesen Städten tätigten, zum Teil beglich man damit Lieferungen von Luxuswaren, die Mitarbeiter der Firma nach Tirol brachten, und zum Teil war es offenbar auch als Geldanlage gegen Zins gedacht. Beim Tode Meinhards hatte das "depositum" eine enorme Höhe erreicht, die allerdings in der Folge durch die verschwenderischen Einkaufsfahrten der Beauftragten der Söhne Meinhards in Venedig, Padua, Treviso und Verona rasch dahinschmolz, zumal die Frescobaldi auch gewaltige Summen für Bestechungsgelder an die Kurie zur Lösung vom Kirchenbann und für weitere Lieferungen von Kostbarkeiten aller Art nach Tirol in Rechnung stellen konnten. Angehörige der Gesellschaft der Frescobaldi engagierten sich um 1300 vorübergehend direkt in wirtschaftlichen Unternehmungen in Tirol, wie etwa bei der Errichtung eines Kaufhauses ("fundacum") in Gries bei Bozen, bei mehreren Pfandleihanstalten ("casane") und kurzfristig auch bei der Münze in Meran. Um 1305 nahmen die engen Verbindungen zwischen den Frescobaldi und den Meinhardinern offenbar ein abruptes Ende. Anscheinend mußte die Gesellschaft ihre Tätigkeit einstellen, und die Söhne Meinhards konnten ihr immer noch ansehnliches Guthaben nicht mehr zurückerlangen. Deshalb verblieb auch die vorliegende Schuldurkunde im Archiv der Tiroler Landesfürsten.


Josef Riedmann


Literatur: Regest: Die Regesten der Grafen von Görz und Tirol, Pfalzgrafen von Kärnten 2,1. Lieferung: Die Regesten Meinhards II. (I.) 1271-1295, bearb. und hrsg. von Hermann Wiesflecker unter Mitarbeit von Johann Rainer (Publikationen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung IV/I/2, Innsbruck 1952), Nr. 839. – Literatur: Josef Riedmann, Die Beziehungen der Grafen und Landefürsten von Tirol zu Italien und zum Jahre 1335 (= Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse 307, Wien 1977), S. 126- 137, 284-308.