Münzschatz von Padua

Münzschatz von Padua

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 11.10, S. 290.

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Leihgeber: Südtiroler Landessparkasse Bozen (Südtirol)
Münzschatz von Padua

© Südtiroler Sparkasse AG Bozen


Verborgen vor 1329

Der angeblich um 1840 bei Padua entdeckte Münzschatz besteht aus 4.033 Münzen, bei denen es sich bis auf sechs Stück (Bologna/Modena) ausschließlich um tirolische Münzgattungen handelt, und zwar um Adlergroschen der Prägestätten Meran, Treviso, Padua, Vicenza und Mantua sowie um Kreuzer, die einst in Meran, Ivrea, Acqui, Cortemilia, Verona und Mantua geprägt wurden. Der Münzschatz von Padua wurde kurz vor 1329 verborgen, d.h. in jener Zeit, in der sich Heinrich, ein Sohn Meinhards II. von Tirol, seines Zeichens Regent von Tirol-Kärnten und Exkönig von Böhmen, zum Herren eines beträchtlichen Teiles des östlichen Oberitalien aufgeschwungen hatte. Ab 1321 war Heinrich auch kaiserlicher Vikar von Padua. Im Schatzfund zeigen 21 Paduaner Aquilini (Adlergroschenbeischläge) das Wäppchen des Ulrich von Pfannberg und 80 Aquilini das Wäppchen des Engelmar von Villanders, die beide zeitweilig als Stadthauptleute von Padua fungierten.
Die Meraner Adlergroschen und ihre italienischen Nachprägungen (Aquilini) dominieren mit 70 Prozent gegenüber den Meraner Kreuzern und ihren italienischen Nachprägungen (Tirolini). Bezeichnend ist auch die Tatsache, daß die während der Regierungszeit Meinhards II. geprägten Meraner Münzen immerhin noch fast 40 Prozent des gesamten in Padua verborgenen Schatzes ausmachen.
Das auffallende Fehlen der venezianischen Matapane ist damit zu erklären, daß die Lagunenstadt aus Gründen der stark steigenden Silberpreise das Einströmen tirolischer Währungssorten tolerierte und die Matapanprägung aus ökonomischen Überlegungen zeitweilig eingestellt hatte. Dadurch hat sich der Meraner Währungsraum nicht nur auf den vom Tiroler Heinrich verwalteten Bereich der Städte Padua und Treviso, sondern auf das gesamte Oberitalien ausgebreitet. Die Verbergung des Münzschatzes ist sicherlich mit der Einnahme Paduas im Jahre 1328 durch Cangrande della Scala in Verbindung zu bringen, dem es ein Jahr später gelang, auch Treviso in die Hand zu bekommen.
Um sicherzustellen, daß dieser Münzschatz vollständig erhalten bleibe, hat ihn die Südtiroler Landessparkasse im Jahre 1986 geschlossen erworben und große Teile davon in Form einer permanenten Ausstellung in der Bozner Niederlassung zur Besichtigung zugänglich gemacht.


Helmut Rizzolli


Literatur: Andrea Saccocci, Un aquilino inedito della zecca di Padova, in: Rivista Italiana di Numismatica 89 (1987), S. 157-177. – Helmut Rizzolli , Münzgeschichte des alttirolischen Raumes und corpus nummorum Tirolensium mediaevalium 1: Die Münzstätten Brixen/Innsbruck, Trient, Lienz und Meran vor 1363 (Bozen 1991), S. 226-238.