Eisernes Handschuhpaar

Eisernes Handschuhpaar

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 6.54, S. 227.

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Leihgeber: Museo Nazionale del Bargello, Florenz (Italien), R 12
Eisernes Handschuhpaar

© Museo Nazionale del Bargello, Florenz


Um 1360-1370
Mailand, Meister AN oder AM
Eisen, graviertes Messing, 18 x 12 cm, 355 Gramm
Aus der Churburger Rüstkammer, Sammlung Toscanelli, Sammlung Ressmann, seit 1899 im Besitz des Museo Nazionale del Bargello

Diese der Form einer Sanduhr vergleichbaren Handschuhe sind mit den Handschuhen des Plattners 10 der Churburger Rüstkammer (zum Objekt Nr. 13 gehörig), die ebenfalls mit messinggeschmückten Borteln und Einsätzen verziert sind, die einzigen, die eine Meistermarke besitzen. Die beiden Exemplare aus dem Museo del Bargello, deren Herkunft aus dem Tiroler Schloß gesichert ist, weisen folgendes eingraviertes Motto auf: IESUS . AUTEM . TRANSIENS . PER . MEDIUM . ILLORUM . IBAT . IESU . AUT(EM) (Lukas, IV, 30). Derselbe Bibelvers ist auf dem Bruststück und dem Beckenhaubenvisier des noch im Besitz der Familie Trapp befindlichen Churburger Harnisches Nr. 13 wiederholt. Da diese Verzierungen von Goldschmieden nur auf ausdrücklichen Wunsch des Auftraggebers angebracht wurden, bestehen keine Zweifel über die Zusammengehörigkeit der Handschuhe mit dem erwähnten Harnisch.
Rüstungen und Rüstungsteile aus dem 14. Jahrhundert sind außerordentlich selten. Die wenigen mit Messingeinsätzen oder die noch selteneren mit Silbereinsätzen – wie die aus dem Domschatz von Chartres – lassen sich nur mit Adeligen und die letztgenannten, besonders kostbaren Rüstungen, nur mit Persönlichkeiten aus königlicher oder fürstlicher Familie in Verbindung bringen. Die ausgestellten Handschuhe müßten also für einen Vertreter des Hochadels geschaffen worden sein. Ulrich IV. von Matsch, 1362-1363 Landeshauptmann und Burggraf von Tirol, dürfte die Rüstungsteile für sich in Mailand bestellt haben, um mit diesen Prunkstücken seinen Rang und seine hohe gesellschaftliche Stellung zu bekunden.


Max Siller


Literatur: Iginio Benvenuto Supino, La Collezione Ressmann nel R. Museo Nazionale di Firenze, in: Le gallerie nazionali italiani (1902), S. 61ff. – Sir Guy Francis Laking, A Record of European Armour and Arms through seven centuries 1 (London 1920), S. 211-213. – A. Lensi, Francesco Rossi, Mostra delle armi antiche in Palazzo Vecchio (Firenze 1938), S. 64. – Lionello G. Boccia, Eduardo T. Coelho, L'arte dell'armatura in Italia (Milano 1967), S. 117, Abb. 7. – Bruno Thomas, Lionello G. Boccia, Historische Prunkwaffen aus dem Museo Nazionale zu Florenz (Wien 1970), S. 43, Abb. 4. – Lionello G. Boccia, Francesco Rossi, Marco Morin, Armi e armature lombarde (Milano 1979). – Lionello G. Boccia, Le armature di S. Maria delle Grazie di Curtatone e l'armature lombarda del Quattrocento (Busto Arsizio 1982), S. 288f. – Mario Scalini, Armamento difensivo trecentesco (Firenze 1984), S. 9-12, Nr. 5. – Francesco Rossi, Armi e armature medievali (Bergamo 1990), S. 10, Nr. 6.