Jagdhorn

Jagdhorn

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 6.33, S. 201.

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Leihgeber: Kunsthistorisches Museum (Wien), Kunstkammer, 4072 R
Jagdhorn

© Kunsthistorisches Museum, Wien


11. Jahrhundert
Unteritalien (siculo-arabisch)
Elfenbein, max. Länge 50 cm, Durchmesser 10,8-12,4 cm
Aus der Ambraser Sammlung

Sarazenischer Olifant mit Tierdekor (Löwe, Greif, Kamelgreif, Steinbock, Hase, Vogelpaar usw.) in Kreisen in der Hauptzone, mit Arabeskausläufen und zum Teile mit Spitzblättern an den Gabelungen. Die Schallzone mit Tierprozession und das Fries mit sechs Variationen desselben Tieres, unterbrochen durch schreitenden Vogel. Darunter ein Streifen aus reziproken Dreiecken. Ornamentborten neben den Fassungsringen.
Der aus Schloß Ambras stammende, dort schon im Inventar von 1596 erwähnte Olifant diente als Jagdhorn. Die wertvollen Hiefthörner aus Elfenbein wurden nur im christlichen Abendland als Jagdgeräte verwendet, auch soweit sie orientalischer Herstellung sind. Sie sind erst in merowingischer und karolingischer Zeit aufgekommen und waren vorerst nur im "königjagdlichen Bereich" (K. Lindner) verbreitet. Olifante finden sich bereits auf den frühesten Tiroler Jagddarstellungen wieder, so auf Schloß Hocheppan, um 1180 (Hirschhetzjagd) und in Meran-Untermais, Maria Trost, Ende des 12. Jahrhunderts (romanisches Mäanderband mit Jagdhornbläser und zwei Hetzhunden).


Christoph Gasser


Literatur: Katalog der Sammlungen für Plastik und Kunstgewerbe (Wien 1964) Nr. 5, Abb. 10. – Ernst Kühnel, Die islamischen Elfenbeinskulpturen VIII. - XIII. Jahrhundert (Die Elfenbeinskulpturen 5, Berlin 1971), Nr. 71, Abb. LXXI/71 a-d. – Elisabeth Scheicher, Die Kunst- und Wunderkammern der Habsburger (Wien-München-Zürich 1979), S. 131.