Harfe

Harfe

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 6.31, S. 200.

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Leihgeber: Wartburg-Stiftung (Eisenach, Deutschland)
Harfe

© Fotodesigner AGD/VBK Günther Pambor, Erfurt


2. Drittel 15. Jahrhundert
Ahornholz, Eisen, Darmsaiten, Breite 335 cm, Länge 91,6 cm, 1983/1984 vom Eisenacher Musikinstrumenten-Restaurator Wolfgang Wenke restauriert
Tirol, wahrscheinlich aus dem Nachlaß Oswalds von Wolkenstein (ca. 1377-1445) 1860 für die Kunstsammlung der Wartburg bei Eisenach in Thüringen erworben

Die Harfe stimmt in Form und Dekor mit einem Instrument auf dem Genter Altar von 1432 aus der Werkstatt oder Schule des Jan van Eyck überein. Auch Memling (gestorben 1495), Dürer und Bosch auf seinem Triptychon vom "Tausendjährigen Reich" malten solche Instrumente. Van Eyck und Memling stellten Instrumente mit Certosina-Einlage dar, mit denen auch das vorliegende Instrument verziert ist. Die Certosina-Einlage, auch als "opere di Damasco" überliefert, ist nach den Klöstern ("certosa") der Lombardei benannt, in denen sie im 15. Jahrhundert vorzugsweise hergestellt wurde.
Die Nachträglichkeit dieser Verzierungen beweist sich allerdings durch die gedrängte Platzierung der Einlagen, z. B. am Stangen-Rollwerk, das einen schon bestens ausgebildeten Dekor darstellt. Die Kranunen zur Saitenhalterung waren nicht überliefert, auch neun Stimmwirbel sind nicht original. Das dritte Resonanzloch unterhalb der tiefsten Stelle im Corpus ist ebenfalls neueren Datums und anderer Faktur. Der Tonumfang des Instrumentes beträgt 26 Töne, diatonisch von G-d. Auf dem Stimmstock finden sich Reste des originalen Tonbuchstabens. Maßanalytisch entspricht dem Instrument der Tiroler Fuß von 33,42 cm, der Zoll zu 2,784 cm. Die Corpuslänge von 33 Zoll (91,6 cm) ist auch an anderen "gotischen Harfen" zu finden, hier zeigt sich eine gemeinsame Bautradition der wenigen überlieferten Instrumente.


Wolfgang Wenker