Kästchen

Kästchen

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 6.30, S. 200.

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Leihgeber: The Trustees of the British Museum (London, Großbritannien), 1947,7- 61
Kästchen

© The British Museum, London


Anfang 13. Jahrhundert
Köln (?)
Elfenbein, 9,7 x 14,5 x 9,5 cm

Das aus Bein gefertigte Kästchen ist mit szenischen Reliefdarstellungen aus den Themenkreisen Minne, Musik und Kampf geschmückt. An der Stirnseite erscheint links ein Harfenspieler mit einer Dame, rechts ein Ritter mit Dame, an der Rückseite zwei Ritter im Zweikampf mit Schwert vor einer Landschaft mit Bäumen und Schlössern. Die Reliefs an den Seiten zeigen höfische Paare beim Stelldichein in angedeuteten gemauerten Architekturen. Das Deckelrelief stellt eine Szene aus dem Epos Tristan und Isolde dar, in der Brangaene den Liebestrank Tristan und Isolde reicht, die das Bett in einem von Arkaden überwölbten Burggemach teilen.
Das vorliegende Stück ist eines der frühesten Beispiele eines Kästchens mit Liebes-, Kampfes- und Minneszenen. Die Einfassungen der Reliefs sind mit Rosetten geschmückt, die eine Nahbeziehung zu einer Werkstatt von Elfenbeinschneidern herstellen, aus deren Kreis sich eine großer Zahl von Reliquiaren aus dem frühen 13. Jahrhundert erhalten hat. Das Zentrum dieser Schule wird üblicherweise in Köln angesiedelt, der Stil und die formale Ausgestaltung der Architekturen legen eine Entstehung im frühen 13. Jahrhundert nahe. Ursprünglich diente das Kästchen wahrscheinlich als Schmuckschatulle einer Dame.


John Cherry


Literatur: