Schachspielfigur

Schachspielfigur

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 6.19, S. 197.

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Leihgeber: Ufficio Tutela Archeologica (Trient, Italien)
Schachspielfigur

© Elena Munerati, Trient


12. Jahrhundert ?
Bein, Höhe 4,7 cm
Civezzano, Castelbosco

Die Figur stellt das in stark "arabesker Abstraktion" gestaltete Pferd eines Schachspieles dar; darauf weisen die beiden höckerartigen Erhebungen als Ohren hin. Die Spielfigur steht stilistisch dem berühmten Spielsatz aus Sandomiercz in Polen (Ende 11./1. Hälfte 12. Jahrhundert) sehr nahe; aus Bergkristall werden ähnliche Steine im Domschatz zu Osnabrück verwahrt. Fast alle Vergleichsbeispiele werden in die ersten Jahrhunderte unseres Jahrtausends datiert.
Die Figur belegt das Schachspiel in einer äußerlich eher unscheinbaren Ministerialenburg nahe der Stadt Trient, die aber für den Fürstbischof wichtig war, da sie den Weg zu den Silberbergwerken des Monte Calisio, einer bedeutenden Einnahmequelle, kontrollierte.


Stefan Demetz


Literatur: Castel Bosco. Ricerche, Biblioteca Communale "G.B. Borsteri" (Civezzano 1989), S. 94f. mit Abb. - Antje Kluge-Pinsker, Schachspiel in Kirchenschätzen. In: Das Reich und die Salier. 1024-1125, Ausstellungskatalog Mainz 1992 (Sigmaringen 1992), S. 72-81. – Manfred Eder, Schachfiguren aus Afrasiab. Fragen an die Wissenschaft zur Deutung, Zeitstellung und Ikonographie, in: Antike Welt 25 (1994), S. 71-78, Abb. 24.