Minnekästchen

Minnekästchen

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 6.13, S. 194.

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Leihgeber: Historisches Museum Luzern (Schweiz), 726
Minnekästchen

© Foto Urs Bütler, Luzern


Um 1400
Elsaß
Birnbaumholz mit Eisenbeschlägen, 8,6 x 17,5 x 11,6 cm

Inschrift: One raten ille(n)t alle balde trw(i)e viel zv(o) walde; es claget mer der trwe die i(n) doch nv(i)t rwet; mi(n) hercz i(n) trwe(n) behalte(n) sol des halt och d(er) löwe not; mit dorheit vertrib ich min zit
Längsrechteckige Kassette mit geschnitzten Seiten und Deckel; Deckel: Jäger mit Hirsch; Vorderseite: Frau mit angekettetem Löwen, Adler mit Schlüssel; Rückseite: Bogenspannender Affe; Schmalseiten: Rosetten
Das Minnekästchen, das in den bildlichen Darstellungen und Inschriften die typische versteckte Liebessymbolik enthält, stammt aus dem Frauenkloster Sarnen und gehörte nach einem im Inneren eingeklebten Zettel des 18. Jahrhunderts Königin Agnes von Ungarn (1281-1364), einer Enkelin Meinhards II., die nach dem Tode ihres Mannes in das von ihrer Mutter Elisabeth gegründete Kloster Königsfelden eingetreten war. Von dort dürfte das Kästchen nach Sarnen gekommen sein. Der Stilvergleich mit verwandten Minnekästchen ergibt jedoch auch für das Sarnener Kästchen eine Entstehung erst in der Zeit um 1400. Durch die neuerdings geäußerten Zweifel an der mittelalterlichen Herkunft sämtlicher Minnekästchen (Diemer, 1992) ist auch die Echtheit dieses Kästchens in Frage gestellt.


Julia Hörmann


Literatur: Heinrich Kohlhaussen, Minnekästchen im Mittelalter (Berlin 1928), Nr. 41. – Heinrich Kohlhaussen, Unveröffentlichte frühe deutsche Schmuck- und Minnekästchen. In: Zeitschrift für Kunstwissenschaft III (1949), S. 6. – Rittertum. Dokumente zur aargauischen Kulturgeschichte 2. Bearbeitet von Hans Dürst. Ausstellungskatalog (Lenzburg ²1964), Kat. Nr. 178. – Die Ritter. Burgenländische Landesausstellung Burg Güssing 1990 (= Burgenländische Forschungen, Sonderband 8, Eisenstadt 1990), Kat. Nr. V/25. – Dorothea Diemer, Peter Diemer, Minnesangs Schnitzer. Zur Verbreitung der sogenannten Minnekästchen. In Festschrift Walter Haug und Burghart Wachinger 2 (Tübingen 1992), 1029f., Abb. 15.