Kästchen

Kästchen

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 6.11, S. 192.

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Leihgeber: Stadtmuseum Bozen (Südtirol), C 209
Kästchen

© Foto Walder, Brixen


2. Hälfte 14. Jahrhundert
Tempera auf Holz, Intarsien, Elfenbein, Seide, 26,5 x 83 x 30,5 cm
Italien

Kästchen mit Elfenbein- und Holzintarsien in unterschiedlichen geometrischen Mustern. An der Frontseite hochovale Elfenbeinreliefs mit Heiligen unter Dreipaßbögen auf Säulchen appliziert, heiliger Nikolaus, Johannes der Täufer, Anton Abt.
Bemalter Holzdeckel mit Goldgrund; Anton Abt in einer Mönchskutte mit Stirnbinde bezwingt mit der "crux comissa" einen Drachen und hält einer Gruppe von vier knienden Franziskanern und herbeilaufenden Gebrechlichen ein Schriftband mit zweizeiliger Inschrift entgegen: "lascete inizi le virtu prendere uostro/auchato so(n) secio farete" (Laßt ab von den Lastern, nehmt die Tugend an, ich bin euer Fürsprecher, wenn ihr so handelt). Unter den Hilfesuchenden findet sich ein Meineidiger (mit Schwurhand), ein Besessener und ein Krüppel (mit verbundenen Füßen und Krücke). Rechts ist eine Wallfahrtskirche des Heiligen (mit Wappenschilden, darunter die florentinische Lilie) zu Füßen eines bewaldeten Hügels dargestellt, davor ein Brunnen mit heilkräftigem Wasser (oder Öl?). Links abbrevierte Burg- oder Stadtansicht mit Ringmauer und Türmen, darunter ein Fischer. An der Rückseite des Deckels auf rotem Grund Wappen der Fernberger (vor blauem Grund auf einem grünen Dreiberg nach rechts schreitender goldener Greif mit Anker) und umlaufende Inschrift in Capitalis: HANS . FERNBERGER . VORI . AVR, darüber Motto: NIT EILL. Seitlich zwei einander zugekehrte Tauben mit Ölzweigen im Schnabel. Innen ist das Kästchen mit rosaroter Seide ausgekleidet.
Von N. Rasmo wegen der Elfenbeine der Werkstatt der Embriachi in Venedig zugewiesen. Eher handelt es sich um eine toskanische Arbeit, worauf der Stil der Malerei der Heiligenzusammenstellung und die Wappen hinweisen würde. Ursprünglich Reliquientruhe, im 17. Jahrhundert zur Hochzeitstruhe umfunktioniert. Aus dieser Zeit stammt die Neufassung beider Deckelinnenseiten. Veränderungen an den Scharnieren. Seitlich zwei bewegliche Griffe aus Messing.


Leo Andergassen


Literatur: Nicolò Rasmo, Das Bozner Stadtmuseum. Kurzer Führer (Bozen 1981), S. 15, Abb. 40, 41.