Vorlegemesser mit Löwengriff

Vorlegemesser mit Löwengriff

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 6.8, S. 191.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Deutsches Klingenmuseum (Solingen, Deutschland), L 1
Vorlegemesser mit Löwengriff

© Landesbildstelle Rheinland, Düsseldorf


2. Hälfte 14. Jahrhundert
Italien
Stahl, Silber vergoldet, Elfenbein, Länge 39,2 cm, Klingenmarke "Stern"
Aus der Sammlung Landau-Lemercher, Paris

Das Vorlegemesser ist ein hervorragendes und in ungewöhnlicher Qualität gearbeitetes Beispiel einer differenzierten Tafelkultur, deren Entwicklung in Italien bereits im späten Mittelalter begann. Das Zeremoniell des Vorlegens, " Trinicierens", nahm an der höfischen Tafel einen wichtigen Platz ein. Das hier gezeigte Messer, ein selten frühes Exemplar, vereinigt das eigentliche Schneiden (die Klinge ist geschliffen) mit dem Akt des Vorlegens (breite Servierklinge). Im weiteren Verlauf der Entwicklung wurden die beiden Funktionen getrennt in Tranchiermesser und Kredenzmesser, "Präsentoir".
Das Motiv des Löwen mit einem nackten Ringer entstammt der mittelalterlichen Monumentalplastik, vgl. die säulentragenden Löwen vor S. Maria Maggiore in Bergamo. Vergleichbare Messergriffe befinden sich in Florenz (Bargello), London (Wallace-Collection) und Paris (Musée Cluny).


Barbara Grotkamp-Schepers


Literatur: La Collection Frédéric Spitzer: [Antiquité - Moyen Age - Renaissance 2 (Macon 1891), Nr. 1, Taf. 1. – Wallace Collection catalogues. European Arms and armour 2 (London 1962), A 887. – Heinz Robert Uhlemann, Über einige Vorschneide- und Kredenzbestecke des Deutschen Klingenmuseums Solingen. In: Armi Antiche, Bolletino dell'Academia di S. Marciano (Turin 1967), S. 3-13. – Gertrud Bencker, Alte Bestecke (München 1978), Abb. 20 und 22.