Wappenfresken aus einem Meraner Laubenhaus

Wappenfresken aus einem Meraner Laubenhaus

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 6.2, S. 189.

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Leihgeber: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol (Dorf Tirol, Südtirol)
Wappenfresken aus einem Meraner Laubenhaus

© Foto Tappeiner, Lana


Mitte 14. Jahrhundert
A: 46 x 224 cm, B: 85 x 221 cm, C: 55 x 157 cm
Meran

Das Wappen als wichtige Ausdrucksform ritterlich-höfischer Kultur wird ab dem 13. Jahrhundert "Besitz- und Hoheitszeichen, Repräsentation der eigenen Person und Erinnerung an sie, ihre Stiftung oder einstige Gegenwart" (Paravicini). In diesen Zusammenhang sind auch jene Wappenfresken zu stellen, die 1913 beim Abbruch des Thalguterhauses unter den Meraner Lauben aufgedeckt und abgenommen wurden. Sie stammen zum Großteil aus der Mitte des 14., einzelne aus dem frühen 15. Jahrhundert. Zwar fehlt eine genaue Situationsaufnahme zum Zeitpunkt der Abnahme, vielfach sind nur Helme und Kleinode oder – umgekehrt – nur Wappenschilde erhalten, es ist jedoch davon auszugehen, daß sich die hier gezeigten Freskenpartien des 14. Jahrhunderts ursprünglich über mehr als einen Raum zogen. Stilistische Unterschiede – etwa unterschiedliche Schildformen (Dreieckschild bzw. Halbrundschild) – lassen zudem darauf schließen, daß die Ausmalung in mindestens zwei Etappen erfolgte. Die Wappen sind in zwei, durch eine rote Rahmenleiste getrennte Reihen übereinander angeordnet, ursprünglich durchlaufende Schriftbänder in gotischer Majuskel mit vorwiegenden Unzialformen zur Bezeichnung der Wappeninhaber sind nur in Fragmenten erhalten. Ein erster Identifizierungsversuch zeigt, daß es sich nur zum Teil um tirolische Namen handelt. Wir erkennen die Wappenschilde der Vintler (in Rot zwei aufrechte zugewendete silberne Bärentatzen), der Herren von Schlandersberg (? eigentlich: in Blau drei silberne rechte Spitzen, hier: im Zickzackschnitt von Silber und Blau gespalten), Tarantsberg (?) und Niedertor (in Rot ein zinnenbekröntes silbernes Tor mit geöffneten Torflügeln über drei Stufen), Helm und Helmzier eines Herrn "von Vilanders" und des "loerge von Liechtensta(in)", den wir anhand der Aufschrift als einzigen auch namentlich sicher bestimmen können. Da der Liechtensteiner nachweislich 1364 oder unmittelbar davor starb, haben wir mit dieser Angabe einen "terminus ante quem" für die Entstehung dieser Wappenreihe.
Die Anbringung der Wappenfresken im Thalguterhaus dürfte damit zusammenhängen, daß einzelne Räume – wie K. Moeser annimmt – als Versammlungsort einer frühen, offenbar nicht landschaftlich definierten Adelsgesellschaft dienten. Ein Hinweis findet sich auf einer Freskenpartie, wo einzelne Wappen auf Helmhöhe mit einer Kette untereinander verbunden sind, eine Wappendarstellung aus dem 15. Jahrhundert zeigt ein durch eine Kette mit dem Stechhelm verbundenes Abzeichen einer Adelsgesellschaft. Genaueren Aufschluß wird man erst nach der Bestimmung weiterer Wappen erhalten.


Gustav Pfeifer


Literatur: Karl Moeser, Aufdeckung heraldischer Fresken des 14. Jahrhunderts in Meran, in: Forschungen und Mitteilungen zur Geschichte Tirols und Vorarlbergs 10 (1913), S. 289-293. – Werner Paravicini, Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters (= Enzyklopädie deutscher Geschichte 32, München 1994), S. 14f.