Margarethe (Maultasch) bestimmt die Habsburger zu ihren Erben

Margarethe (Maultasch) bestimmt die Habsburger zu ihren Erben

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 4.43, S. 164.

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Leihgeber: Tiroler Landesarchiv (Innsbruck, Tirol), Urkunde I/9789
Margarethe (Maultasch) bestimmt die Habsburger zu ihren Erben

© Foto-Atelier Erhard, Fulpmes


1363 Jänner 26, Bozen
Urkunde, Original Pergament, 49 x 71 cm, mit anhangenden Siegeln der Margarethe und 12 Tiroler Adeliger


Zwei weitere Originale in Wien, Haus-, Hof- und Staatsarchiv, AUR 1363 II 26

Margarethe, Markgräfin von Brandenburg, Herzogin zu Bayern und in Kärnten, Gräfin zu Tirol und Görz bestimmt ihre nächsten Verwandten, die Herzoge Rudolf, Albrecht und Leopold von Österreich, als Erben all ihrer Erblande, Rechte und Besitzungen.
Nach dem Tod ihres Gemahls Ludwig (gestorben 1361) und ihres einzigen Sohnes Meinhard III. (gestorben 13. Jänner 1363) geriet Margarethe unter den beherrschenden Einfluß Tiroler Adeliger. In dieser Situation mag ihr die Ankunft Herzog Rudolfs IV. von Österreich in Bozen sehr willkommen gewesen sein. Sie setzte diesen und seine Brüder als Söhne ihres Cousins, Herzog Albrechts II., als Erben aller ihrer Ansprüche ein, behielt sich allerdings die Nutzung bis zu ihrem Lebensende noch vor. Erst im September 1363 verzichtete Margarethe auf ihre Rechte, und die Habsburger konnten endgültig die Herrschaft über Tirol übernehmen. Die von Rudolf IV. eingeschlagene entgegenkommende Politik gegenüber den Städten und dem Adel hat wesentlich dazu beigetragen, daß in der Folge alle Versuche der Wittelsbacher zur Eroberung von tirolischen Gebieten abgewehrt werden konnten.
Die Entscheidung Margarethes bedeutete den Beginn eines völlig neuen Abschnittes in der Geschichte Tirols, der gekennzeichnet ist durch die Herrschaft einer neuen Dynastie und die daraus folgende, allmählich sich festigende Anbindung des Landes an den habsburgisch-österreichischen Länderkomplex. Mitwirkung und Zustimmung zu diesem Rechtsakt durch die Bevölkerung des Landes, repräsentiert durch den Adel, wird in der Urkunde betont und findet insbesondere in der Anbringung der Siegel der Landherren ihren sinnfälligen Ausdruck.


Josef Riedmann


Literatur: Ernst von Schwind, Alfons Dopsch: Ausgewählte Urkunden zur Verfassungsgeschichte der deutsch-österreichischen Erblande im Mittelalter (Innsbruck 1895), S. 215-222, Nr. 111. Literatur: Franz Huter: Herzog Rudolf der Stifter und die Tiroler Städte (= Tiroler Wirtschaftsstudien 25, Innsbruck 1971), S. 179-196. – Josef Riedmann: Mittelalter. In: Fontana, Josef u.a.: Geschichte des Landes Tirol 1: Von den Anfängen bis 1490 (Bozen/Innsbruck/Wien ²1990), S. 453-458. – Wilhelm Baum, Margarete Maultasch (Graz-Wien-Köln 1994), 184f.