Tiroler Freiheitsbrief

Tiroler Freiheitsbrief

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 4.33, S. 159.

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Leihgeber: Tiroler Landesarchiv (Innsbruck, Tirol), Landschaftliches Archiv, Urkunde 1
Tiroler Freiheitsbrief

© Foto-Atelier Erhard, Fulpmes


1342 Jänner 28, München
Urkunde, Original Pergament, 22,3 x 39,2 cm, mit anhangendem spitzovalen Siegel Markgraf Ludwigs von Brandenburg, 93 x 54 mm

Am 28. Jänner 1342 beurkundete Markgraf Ludwig von Brandenburg, kurz vor der Hochzeit mit Gräfin Margarethe von Tirol stehend, den Gotteshäusern und Adeligen in der Grafschaft Tirol feierlich das Versprechen, ihre althergebrachten Gewohnheiten und ihre von seinen Vorgängern verbrieften Rechte zu respektieren. Der Wittelsbacher verpflichtete sich, die derzeitigen Amtsträger zu belassen, ohne Zustimmung der "Landleute" keine außerordentlichen Steuern aufzuerlegen und Ausländern keine Befestigungen im Land zu überlassen. Weiters gelobte Ludwig, das bestehende Recht nicht zu mindern, vielmehr zu verbessern. Gräfin Margarethe dürfe gegen ihren Willen nicht außer Landes gebracht werden. Mit Rat der "Besten" des Landes, gestand der künftige Landesfürst zu, werde er Tirol regieren.
So konträr wie dieses ist selten ein Dokument aus der Tiroler Geschichte von Historikern interpretiert wurden. Selbst als Tiroler Gegenstück zur Magna Charta wurde es gepriesen. Dieser Vergleich ist aber völlig überzogen, denn die rechtliche Substanz der englischen Verfassungsurkunde von 1215 geht viel tiefer und ist wesentlich umfangreicher. Gegen eine Überschätzung des Tiroler Freiheitsbriefes spricht auch, daß sich während der Regierungszeit Ludwigs in Tirol (1342-1361) zwischen den Versprechen und der Realität bald eine tiefe Kluft aufgetan hat. Trotz allem ist aber die Urkunde von 1342, besonders wenn man den späteren politischen Stellenwert und das Selbstverständnis der Tiroler Landstände in Betracht zieht, ein bedeutendes Verfassungsdokument der Grafschaft Tirol. Sein historischer Wert besteht v. a. in der Tatsache, daß zum erstenmal ein Landesfürst schriftlich den damals maßgeblichen gesellschaftlichen Kräften, Adel und Kirche, ihre angestammten Rechte garantierte und sie ihres politischen Mitspracherechtes versicherte.


Wilfried Beimrohr


Literatur: Druck: Sebastian Hölzl, Die Freiheitsbriefe der Wittelsbacher für Tirol (1342). Eine Kritische Untersuchung zur "Magna Charta Tirols", in: Tiroler Heimat 56/57 (1982/83), S. 8f. – Literatur: Werner Köfler, Land - Landschaft - Landtag. Geschichte der Tiroler Landtage von den Anfängen bis zur Aufhebung der landständischen Verfassung 1808 (= Veröffentlichungen des Tiroler Landesarchivs 3, Innsbruck 1985), S. 36-41.