Belehnung Meinhards mit Kärnten

Belehnung Meinhards mit Kärnten

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 4.20, S. 153.

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Leihgeber: Haus-, Hof- und Staatsarchiv (Wien), AUR 1286 II 1
Belehnung Meinhards mit Kärnten

© Fotostudio Otto, Wien


1286 Februar 1, Augsburg
Urkunde, Original Pergament, 40,3 x 41,8 cm, mit anhangendem Majestätssiegel König Rudolfs I., Durchmesser 104 mm
Siegelumschrift: RVDOLFVS . DEI . GRACIA . ROMANORVM . REX . SEMPER . AVGVSTVS

König Rudolf I. belehnt Meinhard auf Bitten der Herzöge Albrecht und Rudolf von Österreich und in Anbetracht seiner Verdienste um das Reich mit dem Herzogtum Kärnten und nimmt ihn unter die Reichsfürsten auf.
In Tirol fehlte lange eine Reichswürde für den Landesfürsten, die den rechtlichen Mittelpunkt und die Legitimationsbasis für die Landeswerdung abgegeben hätte. Die Bischöfe von Trient und Brixen hatten zwar durch die Verleihung von Grafschaften 1027 herzogliche Gewalt erlangt, auch erließen die Bischöfe von Brixen 1229 für ihr Gebiet einen Landfrieden. Diese Sonderstellung löste zwar die Grafschaften Norital und Bozen von Bayern und den Vinschgau von Churrätien, damit entstand aber noch kein Land. Die territorialpolitische Einheit wurde erst mit der Belehnung Graf Alberts III. von Tirol mit den Andechser Lehen geschaffen. In einem langen und energischen Kampf gegen die Bischöfe erreichten sodann die Meinhardiner, daß das ganze Erbe der Andechser und Tiroler in einer Hand blieb. Insbesondere Meinhard II. gelang es, durch die Massierung verschiedenster Herrschaftsrechte, u. a. der Vogtei über beide Bistümer, das Gebiet der beiden Hochstifte Brixen und Trient weitestgehend in seine Landesherrschaft einzuschmelzen. Allerdings war nach 1180 – dem Würzburger Fürstenspruch gegen Heinrich den Löwen – der Eintritt in den Reichsfürstenstand ohne rechtsförmlichen Akt nicht mehr möglich. Die Qualität der Reichsfürstenwürde bestand in erster Linie darin, vom Königtum nicht mehr mediatisiert werden zu können – sie war somit unerläßliche Voraussetzung einer dauerhaften Landesbildung, Pflichtetappe auf dem Weg zu einer umfassenden Herrschaft staatlichen Charakters.
Die Belehnung Meinhards erfolgte nach vielen Widerständen.
Ihr ebneten der Churer Spruch und das Hofgerichtsurteil von 1282 den Weg, ausschlaggebend war jedoch das weiterreichende Interesse des römisch-deutschen Königtums an der Realisierung eines homogenen Paßstaates im mittleren Alpenraum. Die enge Zusammenarbeit mit König Rudolf zeigte sich schon in der erfolgreichen politisch-militärischen Unterstützung, die der Habsburger im Kampf mit König Ottokar von Böhmen um die Herzogtümer Österreich, Steiermark und Kärnten durch Meinhard erhielt. Schon 1276 hatte Rudolf die Hauptmannschaft in Kärnten an Meinhard übertragen. Mit der Verleihung der Herzogswürde war die entscheidende Rangerhöhung des Grafen verbunden: Als Herzog zählte Meinhard nunmehr – im Sinne der Ordnungsvorschriften der sogenannten Heerschildordnung – zum dritten Heerschild, er gehörte zum Kreis der Fürsten und damit zur obersten Adelsschicht im Reich.


Hannes Obermaier


Literatur: Druck: Schwind, Ernst von/Dopsch, Alfons: Ausgewählte Urkunden zur Verfassungsgeschichte der deutsch-österreichischen Erblande im Mittelalter (Innsbruck 1895), Nr. 72 Reg.: Die Regesten der Grafen von Görz und Tirol, Pfalzgrafen von Kärnten 2,1. Lieferung: Die Regesten Meinhards II. (I.) 1271-1295, bearb. und hrsg. von Hermann Wiesflecker unter Mitarbeit von Johann Rainer (Publikationen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung IV/I/2, Innsbruck 1952), Nr. 485 Lit.: Klebel (1955), 74-85. – Wiesflecker, Hermann: Meinhard der Zweite. Tirol, Kärnten und ihre Nachbarländer am Ende des 13. Jahrhunderts (Schlern-Schriften 124 = Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 16, Innsbruck 1955), 112ff, bes. 125ff. – Riedmann, Josef: Mittelalter. In: Fontana, Josef u.a.: Geschichte des Landes Tirol 1: Von den Anfängen bis 1490 (Bozen/Innsbruck/Wien ²1990), 431.