Maria Lactans

Maria Lactans

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 2.14, S. 109.

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Leihgeber: Pfarrwidum Laatsch (Südtirol)
Maria Lactans

© Foto Dieter Drescher, Meran


1. Hälfte 14. Jahrhundert
Holz, Höhe 68 cm, polychromiert
Aus St. Leonhard in Laatsch

Maria sitzt auf einer durch Rundbögen gegliederten Thronbank und reicht dem auf dem linken Knie sitzenden, gewandeten Christkind die Brust. Strenge Symmetrie und Frontalität kennzeichnen die Plastik, der Anspruch des Blockhaften zeigt sich im geschlossenen Umriß, wobei das Christkind über Marias Mantellinie nicht vorkragt. Die Symmetrie wird in der spiegelgleichen Anlage der Mantelpartien über den Knien und im Parallelfaltenstil deutlich.
Als frühes Attribut ist die Krone anzusehen, an der die Zacken abgebrochen sind. Der Mangel an Vergleichsbeispielen im engeren lokalen Umfeld erschwert eine Feindatierung. Als Datierung wird hier eine Entstehung im frühen 14. Jahrhundert vorgeschlagen. Ausschlaggebend dafür sind die geschweiften Ausschnitte im Gewand Mariens und die Beigabe von Gürtel und Krone. Vergleichbar der Churburger Madonna hält sich die Skulptur jedoch formal an hochmittelalterliche Vorbilder. Rasmo (1986) reiht die Laatscher Lactans an den thronenden heilige Nikolaus in St. Leonhard in Laatsch und die Churburger Madonna und denkt an eine Entstehungszeit um 1300.


Leo Andergassen


Literatur: Rasmo, Nicolò: Kunstschätze Südtirols (Rosenheim 1986) (um 1300). – Weingartner, Josef: Die Kunstdenkmäler Südtirols 2: Bozen und Umgebung, Unterland, Burggrafenamt, Vinschgau (Bozen/Innsbruck/Wien 7. Aufl. 1991), 921 (E. 13. Jh.)