Die Wappenmalereien in der Oberkapelle von Schloss Tirol

Die Wappenmalereien in der Oberkapelle von Schloss Tirol

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 2.2, S. 103.

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Leihgeber: Schloss Tirol (Dorf Tirol, Südtirol), Kapelle
Die Wappenmalereien in der Oberkapelle von Schloss Tirol

© Foto Tappeiner, Lana


Letztes Drittel/Ende 13. Jahrhundert (?)

Wappen als erbliche persönliche Kennzeichen entstehen zwischen ca. 1130 und 1150 im nordwesteuropäischen Kernraum aus der Bemalung, Beschlagung oder Bespannung von Kampfschilden, aus den Bildern von Bannern, aber auch aus dem Siegelgebrauch. Die älteste Darstellung des Tiroler Adlers findet sich auf einem Siegelfragment Graf Alberts III. (1190-1253) an einer zu 1190 bis 1200 zu datierenden Urkunde im Stiftsarchiv Wilten. Mit dem Abschluß der Landeswerdung im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts wird der Adler zum Territorialwappen, zum Landeswappen von Tirol. Aus eben jener Zeit, konkret aus den Jahren zwischen 1271 und 1286, stammt nach den Forschungen von F.-H. Hye die älteste erhaltene farbige Darstellung des Tiroler Wappens über dem Eingang in der Mitte der Westwand
der Oberkapelle von Schloß Tirol. Es zeigt in einem hellgrauen Feld mit rot-weißer Linienumrahmung im kräftig profilierten Wappenschild in Silber einen roten Adler mit goldenen Fängen. Auf dem Helm mit roter Decke ein geschlossener, von einer ursprünglich wohl goldenen Zindelbinde zusammengehaltener schwarzer Flug. Die Zindelbinde bildet das einzige Unterscheidungskriterium zum ansonsten identischen Wappen der Markgrafschaft Brandenburg. An der Kapellennordwand über dem Seiteneingang in der Nordwestecke findet sich eine von Hye zu 1286-1295 datierte Darstellung in Kalkseccotechnik des Wappens des Herzogtums Kärnten. Die Malerei zeigt in einem von einer rot-weiß bzw. schwarz-weiß quergestreiften Bandumrahmung begrenzten dunkelblauen, mit weißen Rosen besäten Hintergrundfeld im gespaltenen Schild vorne in Gold drei übereinandergestellte schwarze, schreitende Löwen, hinten in Rot einen silbernen Balken. Auf dem gekrönten, nach vorne gerichteten Helm mit goldener Decke ein mehr oder weniger breit aufgefächerter Pfauenstoß. Der Pfauenstoß als Kleinod dürfte hier noch ein Relikt des Spanheimer Wappens darstellen (der Wappenschild selbst ist auf ein Jugendsiegel des Spanheimer Herzogs Ulrich III. [1256-69] zurückzuführen), nach 1335 findet man als Helmzier die heute noch im Kärntner Landeswappen geführten Büffelhörner.
Während die Identifizierung des Adlerwappens mit Tirol als gesichert gelten darf, bleibt die Frühdatierung Hyes auf die spätmeinhardinische Zeit trotz seiner heraldisch wie historisch stringenten Argumentation aus kunsthistorisch-stilistischen Gründen umstritten.


Gustav Pfeifer


Literatur: Hye, Franz-Heinz: Das Tiroler Landeswappen. Entwicklungsgeschichte eines Hoheitszeichens (Schriftenreihe des Südtiroler Kulturinstituts 13, ²1985), 20-25. – Hye, Franz-Heinz: Zur Geschichte der Helmzier des Kärntner Landeswappens, in: Tiroler Heimatblätter 57 (1993), 111-114