Kirche von Wieselburg (Niederösterreich)

Kirche von Wieselburg (Niederösterreich)

In: Der heilige Wolfgang in Geschichte, Kunst und Kult. Katalog der Oberösterreichischen Landesausstellung im ehemaligen Priorat des Klosters Mondsee, St. Wolfgang im Salzkammergut vom 27. Mai bis 3. Oktober 1976. Redigiert von Manfred Mohr. – Linz: Amt der Oberösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1976. VII, 160. 8°. Objekt-Nr.: 30, S. 106.

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Kirche von Wieselburg (Niederösterreich)

© Bundesdenkmalamt, Wien


Photo. Innenaufnahme, nach der Restaurierung durch das Bundesdenkmalamt 1956.

In das Jahr 972 fällt die kurze Episode der Tätigkeit Wolfgangs als Missionar bei den Ungarn. Die Anregung hierzu könnte von Bischof Ulrich von Augsburg ausgegangen sein. Das Unternehmen verlief im wesentlichen erfolglos, weshalb der Heilige von Bischof Pilgrim von Passau zurückgerufen wurde. Noch im gleichen Jahr wurde er Bischof von Regensburg. Die missionarische Betätigung könnte sich um Kirchberg am Wechsel konzentriert haben, da das Wechselgebiet damals den Ungarn unterstand. Es ist denkbar, daß die Wolfgangkirche von Kirchberg die Erinnerung an den Missionar festhält. Hierfür würde auch eine erhaltene Legende sprechen.
Die Beziehung des Heiligen zu den Ungarn manifestiert auch Wieselburg. Kraft einer kaiserlichen Schenkung (976) errichtete Wolfgang hier ein Kastell zum Schutz gegen die Ungarn. Das Ereignis dürfte in die Zeit fallen, in der Wolfgang im Exil weilte. Über seine Schülerin Gisela dauert die Beziehung Wolfgangs zu den Ungarn über seinen Tod hinaus fort.
Nicht nur das Kastell zu Wieselburg, auch die dortige Ulrichskirche wird dem Heiligen ihren Ursprung verdanken.
In und um die Kirche konnten Archäologen des Bundesdenkmalamtes nach einem Brand im Jahre 1952 Untersuchungen durchführen: Ende des 10. Jahrhunderts ist der 20 m hohe Geländesporn gegen das ebene Hinterland durch eine Verstärkung einer bestehenden Wallanlage gesichert und in seiner Mitte eine Kirche gebaut worden. Dieses Gotteshaus steht heute noch zu 5/8 und besteht aus einem quadratischen Zentralbau mit Kreuzarmen. Der Sakralbau ist innen bis in die 13,5 m hohe Kuppel mit prächtigen Fresken der Zeit um 1000 geschmückt. Hier also ist das östlichste Imperium des heiligen Wolfgang, wo er 976 als Bischof von Regensburg ermächtigt wird, ein Castellum gegen die Ungarneinfälle zu errichten. Er hat demnach keine Burg gebaut, sondern eine Kirche, die er seinem verehrten Freund Ulrich weihte, mit Wehranlage.




Literatur: R. Zinnhobler, Der hl. Wolfgang. Leben – Legende – Kult, mit 168 Bildtafeln von Peter und Wolfgang Pfarl, Linz 1975, S. 18-19, 25, 48-49. – H. Ladenbauer-Orel, Wieselburg an der Erlauf, das östlichste Imperium des hl. Wolfgang. Jahrb. des OÖ. Musealvereins 117/ 1972, S. 26-62. – O. Demus, Romanische Wandmalerei, München 1968, S. 95. – Ders., Byzantine Art and the West. London 1970, S.86.