Der "Landschadenbundbecher"

Der "Landschadenbundbecher"

In: Graz als Residenz. Innerösterreich 1564-1619. Katalog der kulturhistorischen Ausstellung in der Grazer Burg vom 6.Mai bis 30.September 1964. Veranstaltet von der Steiermärkischen Landesbibliothek Joanneum. Herausgegeben von Berthold Sutter. – Graz: Styria 1964. 382. 8°. Objekt-Nr.: 179, S. 80.

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Leihgeber: Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum (Graz, Steiermark), Museum für Kulturgeschichte und Kunstgewerbe, 12.126
Der

© Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum, Graz


Hans Schaller, Augsburg
Silber, vergoldet
Höhe 105 cm, Gewicht 12,50 kg

Prunkpokal aus Silber, vergoldet, mit reicher Verzierung in allen Techniken, Ornamentborten mit Masken und allerlei Tieren und Fruchtkränzen versehen. Geätztes Maureskenwerk, bunte Emailbänder, am Griff 3 wurzelnde weibliche Karyatiden und 3 Masken. Am Gefäß zwischen Karyatiden 3 Reliefbilder "Esther vor dem König" und "Judith vor Holofernes", beide nach Stichen von Marten van Heemskerk (1498-1574), "Königin von Saba vor Salomo" nach Frans Floris (1516-1570) von Dirk Volkerts Coornhert (1522-1590) in Antwerpen gestochen und bei Hieron. Cock verlegt. Am Deckel 3 Reliefs "Moses vor Pharao", die bekrönende Figur der Abundantia mit Füllhorn hält einen Schild mit späterem aufgelegtem Email-Wappen Erzherzog Ferdinands mit den Buchstaben F. E. Z. O. Im Deckel Juno, im Fuß ebenfalls Relief und Ätzwerk.
Augsburger Beschauzeichen, Meistermarke H. S, am ehesten auf Hans Schaller zu deuten (Rosenberg 3/Bd. 4, Nr. 350, S 38). Verwandte Becher desselben Meisters im Grünen Gewölbe zu Dresden sowie eine Taufschüssel mit Kanne in der Hofkapelle zu Gotha. Vielleicht darf man in diesem Pokal die Nr. 26 des Inventars der Erzherzogin Maria 1587 (Reg. 9537) sehen: "Mer ein grosen gulden Pecher, welchen Erzh. Ferdinand von Innsbruck irer Durchlaucht etc. auf die Hochzeit verehrt hat."
Viele in der Steiermark ausgefertigte Urkunden enthalten als Bekräftigung eingegangener Verpflichtungen die Klausel "mit und bey Verbindung des allgemeinen Landschadenbundes in Steyer".
Der Pokal wurde 1895 vom steiermärkischen Landes-Ausschuß dem Joanneum übergeben.
Der thematisch und stilistisch völlig anders gestaltete Landschadenbundbecher des Herzogtums Krain stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und wird im "Narodni Muzej Ljubljana" verwahrt. (Vgl. dazu Vodnik po zbirkah narodnega muzeja v Ljubljani. 1931 S. 157. Mit Abb.)


Gertrud Smola


Literatur: K. Lacher, Kunstgewerbliche Arbeiten aus der kulturhist. Ausstellung zu Graz 1883. Heft I, Taf. 1, und Heft V, Taf. 2-5. – A. Rath, Das Kunsthandwerk der Renaissance. S. 53. – K. Lacher, Katalog des kulturh. u. kunstgew. Mus. 1906. – A. Rath, Das steierm. Landesmuseum Joanneum, 1811-1911. S. 316. – A. v. Luschin, Die Werke der Goldschmiedekunst. 1. Der Landschadenbundbecher. Grazer Tagespost, 30. August, 2. September und 15. Dezember 1883. – G. Wolfbauer, Der Landschadenbundbecher in Graz. Bergland 13, 1931. H 12, S. 43. – Bildführer des Museums für Kulturgeschichte und Kunstgewerbe 1958. – Katalog der Ausstellung Goldschmiedekunst Graz 1961; Nr. 46 Abb. 22. Über den Landschadenbund vgl.: Method Dolenc, Pravni institut "Klausel des allgemeinen Landschadenbundes" v slovenskih deželah Zbornik znanstvenih razprav juridične facultete v Ljubljani, 1930. – J. Polec, Paberki o klavzuli deželne obveze za škodo (Landschadenbund). Glasnik muzejskega drustva za Slovenijo. 1939. – N. v. Beckmann: Idea juris statuarii et consuetudinarii Stiriaci et Austriaci. Graz 1688. S. 270f.