Hauptriemenzunge aus Silberblech

Hauptriemenzunge aus Silberblech

In: Hunnen und Awaren. Reitervölker aus dem Osten. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung im Schloß Halbturn vom 26. April bis 31. Oktober 1996. Begleitbuch und Katalog. Redigiert von Falko Daim. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abteilung XXII/1, Kultur und Wissenschaft 1996. 488. 8°. Objekt-Nr.: 5.323, S. 313.

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Leihgeber: Nordico Museum der Stadt Linz (Oberösterreich), C 2212a
Hauptriemenzunge aus Silberblech

© Nordico Museum der Stadt Linz, Linz (O.Ö.)


Länge 12 cm, Breite 28 mm, Durchmesser 3 mm. Linz-Zizlau, Grab 7. Zweites Viertel 7. Jahrhundert

Die gezeigte Riemenzunge stammt aus einem vorzüglich ausgestatteten Männergrab mit Schwert, Sax und Schild sowie silbertauschierten bayerisch-alamannischen eisernen Gürtel- und Schwertriemengarnituren. Die ausgestellte Riemenzunge ist aus zwei großen Blechteilen gefertigt. Um die Zwinge läuft zusätzlich ein geripptes Silberblechband. Innen befand sich eine Holzlamelle (Esche, Fraxinus excelsior). Die Schauseite der Riemenzunge ist reich mittels feinem Tremolierstich ornamentiert. Im Zentrum sind mit angehockten Beinen ein Mann und eine Frau dargestellt: Sie mit hervorgehobenen Brüsten, er mit erigiertem Penis. Von der Machart her läßt sich die Riemenzunge gut in die Vergleichsobjekte der fortgeschrittenen Frühawarenzeit einordnen. Die anthropomorphe Darstellung ist einzigartig, die darüber und darunter angeordnete geometrische und Blattornamentik zeigt eine Verwandtschaft mit Gürtelzierrat aus dem byzantinischen Einflußgebiet zwischen Italien und dem Schwarzen Meer.


Falko Daim


Literatur: Herta LADENBAUER-OREL, Linz-Zizlau, das baierische Gräberfeld an der Traunmündung (Wien/München 1960), 30ff., Taf. 1, 29, 32, 33 und 46. – Kurt W. ZELLER, Kulturbeziehungen im Gräberfeld Linz-Zizlau. Katalog der Ausstellung "Baiernezeit in Oberösterreich. Das Land zwischen Inn und Enns vom Ausgang der Antike bis zum Ende des 8. Jahrhunderts" (Linz 1977), 75-88. – Ludmila V. PEKARSKAJA, Dafydd KIDD, Der Silberschatz von Martynovka (Ukraine) aus dem 6. und 7. Jahrhundert (Monographien zur Frühgeschichte und Mittelalterarchäologie 1, 1994), Taf. 32:1.