Attila wird durch Papst Leo I. zum Abzug von Rom bewogen

Attila wird durch Papst Leo I. zum Abzug von Rom bewogen

In: Hunnen und Awaren. Reitervölker aus dem Osten. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung im Schloß Halbturn vom 26. April bis 31. Oktober 1996. Begleitbuch und Katalog. Redigiert von Falko Daim. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abteilung XXII/1, Kultur und Wissenschaft 1996. 488. 8°. Objekt-Nr.: 4.339, S. 178.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Österreichische Nationalbibliothek (Wien), Bildarchiv, Pk 593/29, Portf.-Nr. 29 K. 593
Attila wird durch Papst Leo I. zum Abzug von Rom bewogen

© Österreichische Nationalbibliothek, Wien


Kupferstich von Bernardino Nocchi (Umzeichnung) und Giovanni Volpato (Stich) nach Raffaels Stanzenfresko im Vatikan.
750 x 570 mm (Plattenrand), Blattgröße: 1070 x 724 mm; Letztes Viertel 18. Jahrhundert

Raffaels Fresko in der "Stanza d'Eliodoro" des Vatikans entstand zwischen 1512 und 1514 und hält sich nur ganz peripher an die Geschichtsquellen (so ist beispielsweise das römische Kolosseum im Hintergrund zu sehen, obwohl die Begegnung bei Mantua stattgefunden haben soll). Der Künstler erhielt den Auftrag zu diesem Werk noch von Papst Julius II., dessen Züge Raffael auch dem unerschrockenen Papst Leo in einem der ersten Entwürfe (Oxford, Ashmolean Museum) verlieh. Damit wurde diese Begegnung auf eine zeitpolitische Dimension ausgeweitet: auf die Vertreibung der Franzosen aus Italien durch die von Papst Julius zum Einsatz gebrachte Heilige Liga. Die Umzeichnung des Freskos für den vorliegende Kupferstich besorgte Bernardino Nocchi aus Lucca (1741-1812), der als Historienmaler tätig war. Der aus Bassano stammende Giovanni Volpato (1733-1803), der sich 1772 in Rom niederließ (um sich an der Ausführung der Farbstiche nach den Raffaelschen Stanzenbildern im Vatikan zu beteiligen), führte dann den Kupferstich auch aus. Die Bildlegende "PIO SEXTO PONT. MAX" ist irreführend, bezieht sie sich doch auf den Auftraggeber dieser Stichserie, Papst Pius VI. (1775-1799), der Volpato das Privileg zur Nachbildung von Altertümern, Statuen und Denkmälern in Porzellan verlieh. In der Verbreitung dieses populären Stiches könnte sich allerdings auch die politische Absicht verbergen, die stark angeschlagene Autorität des Papstes wieder zu betonen (reiste doch dieser Papst unter anderem an den Wiener Hof, um Kaiser Josef II. von seinem radikalen Kirchenkurs wieder abzubringen).


Hannes Etzlstorfer


Literatur: Thieme-Becker, Künstlerlexikon 25, 496 und 34, 530f.