Dolichenusfund von der Mauer an der Url: Jupiter-Dolichenus-Statuette

Dolichenusfund von der Mauer an der Url: Jupiter-Dolichenus-Statuette

In: Die Römer an der Donau. Noricum und Pannonien. Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung im Schloß Traun, Petronell, Niederösterreich, vom 25. Mai bis 28. Oktober 1973. Herausgegeben vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 55. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Abteilung Kultur 1973. 394. 8°. Bibl., Illustr., Register, Tabellen. Objekt-Nr.: 1117, S. 366.

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Leihgeber: Kunsthistorisches Museum (Wien), Antikensammlung, M 1
Dolichenusfund von der Mauer an der Url: Jupiter-Dolichenus-Statuette

© Fotostudio Otto, Wien


Bronze. Höhe: 32 cm

In Mauer an der Url (bei Amstetten, Niederösterreich.) wurden am 8. März 1937 zufällig in der Nähe der römischen Kastellmauer zwei, in nur geringem Abstand voneinander entfernt liegende Gruben aufgedeckt. Die erste enthielt nur Metallgegenstände (Eisen, Bronze, Silber), die zweite Keramikfragmente und einige Tierknochen.
Die Art der Funde ließ darauf schließen, daß es sich zumindest zum Teil um das Inventar eines Dolichenustempels handelte.
Jupiter Dolichenus geht auf den Baal von Dolichene zurück (Ort in der nordsyrischen Landschaft Kommagene) .Unter Vespasian wurde diese Landschaft in das römische Reich eingegliedert und auch Militär ausgehoben. Soldaten brachten diesen Kult in den Westen. Der Gott wurde hier Jupiter gleichgesetzt und erscheint in militärischer Tracht als Jupiter Optimus Maximus Dolichenus. Als Schirmherr der Soldaten wird er meist in den Garnisonsorten verehrt. Manchmal erscheint er mit Juno Regina als Kultgenossin.
Der Depotfund setzt sich aus drei Arten von Geräten zusammen: kultische Geräte, solche, die auch kultischen Zwecken dienten und profane Geräte.
Zeitstellung des Fundes: Große Masse der Gegenstände aus der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts nach Chr. Einiges auch aus dem 3. Jahrhundert (z. B. Votivtafel, M 5). Der Fund wurde in der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts vergraben, veranlaßt durch ein drohendes kriegerisches Ereignis.
Jupiter-Dolichenus-Statuette
Der Gott steht auf dem Rücken des Stieres und hält in der Linken das Blitzbündel, in der Rechten den Schaft des Doppelbeils (letzteres ist weggebrochen). Bekleidung: Über einem langärmeligen Untergewand sitzt der Panzer und ein kurzer Mantel. Die Füße stecken in hohen Schuhen. Auf dem Kopf trägt der Gott eine phrygische Mütze. Um den Leib des Stieres ist ein breites Band gewunden. Am Postament ist eine Inschrift angebracht, die besagt, daß es sich um die Weihung des Veteranen Marius Ursinus an Jupiter Dolichenus handelt.


Wolfgang Oberleitner


Literatur: R. NOLL, Der große Dolichenusfund von Mauer an der Url (Wien 1938, Führer durch die Sonderausstellung), 7, Nr. 1, Abb. 2 (auf S. 24).