Weihnachten. Besinnliche Tage - raue Nächte Wurzeln des Weihnachtsfestes - Mithrasstein von Sterzing/Vipiteno

Weihnachten. Besinnliche Tage - raue Nächte
Wurzeln des Weihnachtsfestes - Mithrasstein von Sterzing/Vipiteno

In: Feste feiern. Katalog zur Oberösterreichischen Landesaustellung im Stift Waldhausen 2002. Herausgegeben von Eva Kreissl, Andrea Scheichl, Karl Vocelka. Redigiert von Julius Stieber. – Linz: Trauner 2002. 471.8°. Bibl., Illustr., Anhang, Karten, Zusammenfassung, Graph. Darstellungen. Objekt-Nr.: 12.4.1, S. 324.

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Leihgeber: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (Tirol), Institut für Klassische Archäologie – Museum von Abgüssen und Originalen, I/654
Weihnachten. Besinnliche Tage - raue Nächte
Wurzeln des Weihnachtsfestes - Mithrasstein von Sterzing/Vipiteno

© Universität Innsbruck, Institut für Klassische Archäologie


Sterzing, Hof des Rathauses, Fundort wahrscheinlich aus der Gegend von Mauls
Höhe: 120 cm
Kopie

Bereits in vorchristlicher Zeit wurde die Wintersonnwende festlich begangen. Im antiken Rom fanden die lärmend ausgelassenen Saturnalien und die Festlichkeiten des Sol invictus am 25. Dezember statt. In Ägypten wurde die Geburt des Gottes Horus gefeiert. Von Persien aus breitete sich das Fest zur Geburt des Gottes Mithras am 25. Dezember bis in das Gebiet des heutigen Österreich aus. Erst im Jahre 813 wurde auch hier das Geburtsfest Christi offiziell eingeführt und endgültig auf den 25. Dezember festgelegt.
Die christliche Trennung des Gottesfestes vom Jahreswendfest ließ im Alpenraum zwei konkurrierende Festformen zur Weihnachtszeit entstehen: das besinnlich-friedliche Familienfest und die geräuschvoll-fröhlichen bis bedrohlichen Umgänge von Kramperln, Perchten und Raunachtgestalten. Die Raunächte markieren den Jahresübergang. Das Alte sollte abgeschlossen, alle Arbeit erledigt sein. Zwischen dem Vergangenen und dem Kommenden liegt eine Zeit der Unsicherheit und Gefährdung, in der nicht gearbeitet werden und kein Rad sich drehen soll.
Die Bemalung der Kopie stützt sich vor allem auf die Fresken der Mithräen von Marino und S. Maria Capua Vetere. Im Zentrum des Reliefs ist Mithras zu sehen, der den Stier tötet, flankiert von Cautes (Tag/Sonnenaufgang/Frühling/Leben) und Cautopates (Nacht/Sonnenuntergang/Herbst/Tod). Zum sterbenden Stier kommen Hund, Schlange und Skorpion. Oben wird das in einer Höhle oder in felsigem Gelände spielende Geschehen von Sol und Luna begleitet, wobei von der Seite des Sol ein Rabe und ein besonders langer Sonnenstrahl zu Mithras kommen.
Die seitlichen Bildstreifen zeigen links (v. o.): Jupiter im Kampf gegen die Giganten, Saturn gelagert, Felsgeburt des Mithras, Mithras mähend (?), kniender Mithras / Atlas, stiertragender Mithras, zerstörtes Feld; rechts (v. u.): stiertragender Mithras, Mithras auf einem Felsen sitzend und zwei weitere Gestalten, Mithras und der vor ihm kniende Sol, Mithras und Sol reichen sich die Hände, Mithras besteigt die Quadriga des Sol, Mahl von Mithras und Sol.
Die Mithrasverehrung war im 14. Jahrhundert v. Chr. in Persien entstanden, verbreitete sich von Kleinasien mit den römischen Legionären im gesamten Römischen Reich bis nach Afrika, Spanien, Britannien und Germanien aus und erlebte ihre Hochblüte im 3. Jahrhundert nach Chr. Im Avesta, dem heiligen Buch der Perser, bezwingt Mithras als Genius des Lichts den bösen Geist der Finsternis, Ahriman. Der Mithraskult beruht auf einem alten astralmythologischen System, das astronomische Konstellationen mit der Herrschaft der Götter verbindet. Die Geburt Mithras' wurde am 25. Dezember gefeiert.


Julius Stieber