Drechselbank König Maximilians I.

Drechselbank König Maximilians I.

In: Ausstellung Maximilian I. Innsbruck. Katalog der Ausstellung vom 1. Juni bis 15. Oktober 1969. Herausgegeben vom Kulturreferat des Landes Tirol. Für den Inhalt verantwortlich Erich Egg. – Innsbruck: Verlagsanstalt Tyrolia 1969. 112. 8°. Objekt-Nr.: 592, S. 159.

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Leihgeber: Dr. Hans Graf Wilczek, Burg Kreuzenstein (Niederösterreich)
Drechselbank König Maximilians I.

© Gert Ammann, Innsbruck


Sterzing (?), um 1500/1510
Holz mit Eisenteilen, Höhe 145 cm, Länge 194 cm, Breite 148 cm

Erworben von Johann Graf Wilczek um 1875 aus der Sammlung Pickert in Nürnberg. Nach der Überlieferung Geschenk der Tiroler Stände an Maximilian.
Der linke Dockenstock mit Jagdszene, heiligem Georg und Wappen der Sterzinger Jakobsbruderschaft (Pilgermuschel und gekreuzte Stäbe), der verschiebbare Reitstock mit der Pinole aus Rundstahl als Burg gestaltet, die von einem Lindwurm bewacht wird. Der rechte Dockenstock zeigt das von zwei wilden Männern gehaltene Wappen der Fuchs von Fuchsberg, der rechte Säulenständer zeigt oben eine Bärenjagd, darunter das Andreaskreuz und zwei Feuereisen des Ordens vom Goldenen Vlies, unten Frührenaissanceornamente nach lombardischem Vorbild und die Wappen der Familien Jaufenburg, Fuchs, Khuen-Belasi, Freundsberg und Rechberg.
Die vorkommenden Wappen weisen eindeutig auf Degen Fuchs den Jüngeren von Fuchsberg und Jaufenburg, dessen Gattin Barbara von Khuen-Belasi, seinen gleichnamigen Vater und dessen Gattin Eva von Freundsberg, auf die Eltern Evas, Ulrich von Freundsberg und Barbara von Rechberg. Das Wappen der Jakobsbruderschaft von Sterzing läßt annehmen, daß Degen Fuchs, dessen Schloß Jaufenburg in der Nähe von Sterzing liegt, ihr Mitglied war. Degen Fuchs der Jüngere war 1483/84 Landeshauptmann an der Etsch, kaiserlicher Rat, Mitglied der Regierung in Innsbruck und Hauptmann von Kufstein. Er starb dort 1528.
Degen Fuchs hat die Drechselbank dem Kaiser geschenkt, auf den die Embleme des Vliesordens weisen. Maximilian hat nachweislich die Drechslerei in ruhigen Stunden ausgeübt. Er ließ 1503 in der Innsbrucker Hofburg ein "kleins Dachstüblein mit Kämmerlein zu unserm Dräzeug (Drechselbank) machen, damit wir mit demselben Dräzeug unser Kurzweil haben mügen". Um 1505 liefert Jörg Salomon von Tramin "ain Drähpanngkh" für Maximilian. Die Drechselbank ist wahrscheinlich in Sterzing entstanden, wo die prachtvolle Decke im Ansitz Jöchlsthurn (um 1500) und geschnitzte Kästen beweisen, daß geschickte Ornamentschnitzer ansässig waren.
Als Arbeit eines Bildhauers ist die im volkstümlichen Stil gehaltene Drechselbank nicht anzusprechen.


Erich Egg


Literatur: A. WALCHER-MOLTHEIN, Die Drechselbank Kaiser Max des Ersten. In: Belvedere, Bd. 7, Heft 1 (Wien 1925), S.17ff.