Das Kaiserdenkmal im Dom zu Speyer

Das Kaiserdenkmal im Dom zu Speyer

In: Ausstellung Maximilian I. Innsbruck. Katalog der Ausstellung vom 1. Juni bis 15. Oktober 1969. Herausgegeben vom Kulturreferat des Landes Tirol. Für den Inhalt verantwortlich Erich Egg. – Innsbruck: Verlagsanstalt Tyrolia 1969. 112. 8°. Objekt-Nr.: 583, S. 156.

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Leihgeber: Museum Carolino Augusteum (Salzburg), 158/32
Das Kaiserdenkmal im Dom zu Speyer

© Museum Carolino Augusteum, Salzburg


Hans Valkenauer von Salzburg, 1514/1519
Roter Salzburger Marmor

a) Figur eines Kaisers, Höhe 137 cm
b) Figur eines Kaisers, Höhe 178 cm
c) Stück des Kronreifes, Länge 155 cm, Höhe 65 cm
d) Zacken der Krone (Palmette), 155 x 113 cm
Neben seinem eigenen Grabmal beschäftigte Maximilian die Idee eines großen Denkmales für die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Hochmittelalter. Dafür hatte er den Dom in Speyer ausersehen. Das Denkmal sollte einen Rundtempel aus 12 achteckigen Säulen, zusammengehalten und gekrönt durch eine mächtige Krone, bilden. An den 12 Säulen sollten die Statuen die im Dom bestatteten Kaiser, Könige und Kaiserinnen darstellen: Konrad II., Heinrich III., Heinrich IV., Heinrich V., Philipp von Schwaben, Rudolf I. von Habsburg, Adolf von Nassau, Albrecht I. von Habsburg, Gisela, Berta, Beatrix und Agnes.
Für das 1514 begonnene Werk, das einen Durchmesser von 6 Metern haben sollte, waren 800 Gulden vorgesehen. Das Denkmal wurde nie vollendet, da Valkenauer bei Vertragsabschluß schon ein 66jähriger Mann war und nach dem Tode des Kaisers die Arbeit eingestellt wurde. Erhalten haben sich der ganze Kronreif, einige Zacken der Krone, acht männliche und drei weibliche Statuen, alle noch in unfertigem Zustand oder stark beschädigt. Trotzdem läßt sich die Idee des Kaisers und die Absicht des Bildhauers klar erkennen. In der feierlichen Ruhe und dem geschlossenen Umriß verkörpern die Idealporträts der Kaiser und Kaiserinnen tiefste Trauer und Todesmüdigkeit. Es ist die Trauer um das große Reich, an das Maximilian anknüpfen wollte. Dabei boten ihm die Könige Rudolf und Adolf aus dem eigenen Hause den sicheren Ansatzpunkt.
Neben dem eigenen Grabmal war das Kaiserdenkmal sicher die originellste künstlerische Idee Maximilians.
Hans Valkenauer ist der bedeutendste Grabsteinbildhauer in Salzburg zur Zeit Maximilians (1448 bis um 1525), der noch ganz der Spätgotik angehörte. Die an die Antike erinnernde Konzeption des Rundtempels und der Entwurf für das Denkmal stammen von einem Künstler des kaiserlichen Hofes, denn der Vertrag vom 5. Februar 1514 zwischen Maximilian und Valkenauer spricht von einer dem Bildhauer vorgelegten "Visier" (Entwurf).


Erich Egg


Literatur: Ph. M. HALM, Hans Valkenauer und die Salzburger Marmorplastik. In: Studien zur süddeutschen Plastik, Bd. 1 (Augsburg 1926), S. 176ff.