Die Reliefs des Goldenen Dachls in Innsbruck

Die Reliefs des Goldenen Dachls in Innsbruck

In: Ausstellung Maximilian I. Innsbruck. Katalog der Ausstellung vom 1. Juni bis 15. Oktober 1969. Herausgegeben vom Kulturreferat des Landes Tirol. Für den Inhalt verantwortlich Erich Egg. – Innsbruck: Verlagsanstalt Tyrolia 1969. 112. 8°. Objekt-Nr.: 571, S. 153.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Innsbruck, Tirol), Leihgabe der Landeshauptstadt Innsbruck
Die Reliefs des Goldenen Dachls in Innsbruck

© Wolfgang Pfaundler, Innsbruck

Das Goldene Dachl ist neben dem Grabmal in der Innsbrucker Hofkirche das bedeutendste erhaltene Denkmal Kaiser Maximilians. Das Goldene Dachl wurde zum Gedächtnis an seine Hochzeit mit Maria Blanca Sforza von Mailand (1494) in den Jahren 1497 bis 1500 vom Hofwerkmeister Niklas Türing, der zugleich Bildhauer-Steinmetz war, errichtet.
Der Reliefschmuck wurde 1949 bzw. 1969 wegen der Gefahr der Zersetzung des Mittenwalder Sandsteines abgenommen und ist hier erstmals geschlossen ausgestellt.
Die untere Reihe umfaßt die Wappen Maximilians:
Steiermark, gehalten von einem Gaukler und einer nackten Frau, 81,5 x 70,5 cm
Österreich, gehalten von zwei Geharnischten, 81,5 x 70 cm
Ungarn (König Ladislaus Posthumus), gehalten von zwei Geharnischten, 82 x 70 cm
Kaisertum, gehalten von zwei Geharnischten, 81,5 x 69,5 cm
Römischer König, gehalten von zwei Greifen, 81,5 x 70 cm
Burgund (Herzog Philipp), gehalten von zwei Löwen, 82 x 70 cm
Mailand, mit der Krone (Maria Blanca Sforza als Kaiserin) und Kübeln als Helmzier, 81,5 x 70 cm
Tirol, gehalten von wilden Männern, 81,5 x 70,5 cm
Die Wappen von Steiermark und Tirol stammen von Niklas Türing (1500), die übrigen Wappen wurden nach der Kaiserproklamation Maximilians (1508) wahrscheinlich von seinem Sohn Gregor Türing gemeißelt und neu eingesetzt. Sie zeigen deutlich den Einfluß der Frührenaissance.
Die obere Reihe umfaßt in der Mitte die Szenen:
Maximilian mit Maria Blanca Sforza und Maria von Burgund, 72,5 x 83 cm
Maximilian mit Hofrat und Hofnarren, 72,5 x 83 cm
Die übrigen acht Reliefs zeigen je zwei Maruschkatänzer. Der Maruschkatanz war ein aus dem maurischen Spanien gekommener rhythmischer Modetanz; der einzige Musiker spielte zugleich Handtrommel und Flöte. Maria Blanca hat einen goldenen Apfel in der Hand, den sie nach der Regel des Maruschkaspieles dem besten Tänzer überreichen soll.
Die vier vorderen Reliefs messen 72 x 82 cm, die vier seitlichen 53 x 82 cm.
Während die untere Reihe der Politik gewidmet ist, stellt die obere Reihe die repräsentativen Festlichkeiten der Hochzeit dar.
Die Reliefs sind aus Mittenwalder Sandstein und tragen Reste alter Fassung.


Erich Egg


Literatur: J. GARBER, Das Goldene Dachl (Wien 1922). – K. FISCHNALER, Das Goldene Dachl Kaiser Maximilians I. In: Ausgewählte Schriften, I, Geschichts-, Kultur- und Naturbilder aus Alttirol (Innsbruck 1936), S. 12ff. – Katalog "Gotik in Tirol" (Innsbruck 1950), N. 182. – O. LUTTEROTTI, Das Goldene Dachl zu Innsbruck. In: Große Kunstwerke Tirols (Innsbruck 1951), S. 129ff.