Georgsaltar

Georgsaltar

In: Ausstellung Maximilian I. Innsbruck. Katalog der Ausstellung vom 1. Juni bis 15. Oktober 1969. Herausgegeben vom Kulturreferat des Landes Tirol. Für den Inhalt verantwortlich Erich Egg. – Innsbruck: Verlagsanstalt Tyrolia 1969. 112. 8°. Objekt-Nr.: 537, S. 144.

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Leihgeber: Schloss Ambras (Innsbruck, Tirol), PA 212
Georgsaltar

© Kunsthistorisches Museum, Wien


Sebald Bocksdorfer und Sebastian Scheel (?), in Innsbruck um 1508/1510
Holz, Höhe mit Predella 162 cm, Breite mit offenen Flügeln 223 cm. Plastik Zirbelholz, vollrund, Höhe 110 cm

Der Altar könnte aus einer Zusammenarbeit des Bildhauers Sebald Bocksdorfer und des Malers Sebastian Scheel in Innsbruck entstanden sein.
Im Schrein als rundgeschnitzte Freiplastik die bemalte Reiterfigur des heiligen Georg als Drachentöter (Roß und Reiter in zeitgenössischem Harnisch) in einer Felslandschaft. Zu Füßen des Heiligen der Lindwurm mit abgebrochenem Speer im Rachen. Auf dem Felsen links die Prinzessin, rechts, von den Zinnen einer Burg blickend, das königliche Elternpaar. Auf dem vorderen Flügelpaar außen links die heilige Katharina, rechts die heilige Barbara, innen links der heilige Achatius, rechts der heilige Sebastian, beide auf Goldgrund. Für sie haben möglicherweise die Enkel Maximilians, Ferdinand und Karl, als Vorbild gedient. Auf dem rückwärtigen Flügelpaar außen links der heilige Florian, rechts der heilige Christophorus, innen links die heilige Maria mit Kind auf der Mondsichel, rechts die heilige Ursula, beide auf Goldgrund. Auf der Predella vorne Christus unter dem Kreuz, rückwärts zwei Engel mit dem Schweißtuch.
Über dem Schrein von links nach rechts die Wappen von Österreich, Ungarn, Portugal, kaiserlicher Doppeladler, England, Böhmen, Neapel. Dieses zeitlich terminierte Wappenprogramm gestattet die nähere Datierung des Altars, der zweifellos noch Kaiser Maximilian selbst als Auftraggeber hat (die roten Kreuze auf der Pferdedecke das Emblem des von ihm neu belebten St. Georgsordens).
Der Altar stammt aus der um 1464/1465 erbauten St. Georgskirche, die an der Stelle des heutigen Aussichtspavillons am unteren Rand des Schloßparks von Ambras lag. Sie wurde 1777 entweiht, später abgerissen, ihre Einrichtung in die Kapelle des Schlosses gebracht.


Erich Egg


Literatur: Katalog "Gotik in Tirol" (Innsbruck 1950), Nr. 214, Abb. 91-93. – O. TRAPP, Die Wiederherstellung des Georgsaltärchens in Schloß Ambras. In: Tiroler Heimatblätter, 16. Jhg. (Innsbruck 1938), S. 157ff. – F. H. HYE-KERKDAL, Eine unbekannte St.-Georgs-Kirche in Ambras. In: Tiroler Heimat, Bd. 27/28 (Innsbruck 1963/64), S. 53ff. – E. EGG, Zur maximilianischen Kunst in Innsbruck. In: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Bd. 46, Jhg. 1966 (Innsbruck 1966), S. 43ff., 60f., Abb. 19.