Der Weißkunig. Schlacht bei Cividale

Der Weißkunig. Schlacht bei Cividale

In: Ausstellung Maximilian I. Innsbruck. Katalog der Ausstellung vom 1. Juni bis 15. Oktober 1969. Herausgegeben vom Kulturreferat des Landes Tirol. Für den Inhalt verantwortlich Erich Egg. – Innsbruck: Verlagsanstalt Tyrolia 1969. 112. 8°. Objekt-Nr.: 523, S. 139.

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Der Weißkunig. Schlacht bei Cividale

© Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck


Hans Schäuffelein
Holzschnitt

Selbstbiographie Maximilians, in dieser Form um 1505 begonnen, um 1516 abgeschlossen, in Prosa geschrieben. Maximilian bezeichnet sich als den "weißen" König, nach dem weißen Harnisch, den er in Turnier und Schlacht zu tragen pflegte. Auch die anderen Könige und Herrscher wurden mit allegorischen Namen bezeichnet; der König von Frankreich war der "blaue" König, der Herzog von Mailand "der König vom Wurm" (nach dem Mailänder Wappen), der "grüne" König der König von Ungarn usw. Der Text stammt zum größten Teil vom Geheimschreiber Maximilians, Marx Treitzsaurwein, der vom Kaiser die entsprechenden Anweisungen erhielt; diese bestanden im Hinweis auf Quellen und vielfach in Diktaten.
Der erste Teil des Werkes behandelt die Eheschließung des "alten Weißkönigs", Kaiser Friedrichs III., und Eleonoras und ihre Krönung in Rom. Im zweiten Teil wird die Geburt und Jugend Maximilians bis zu seiner Ehe mit Maria von Burgund geschildert, im dritten Teil werden seine Kriege von 1477 bis 1513 erzählt. Während die ersten beiden Teile von Treitzsaurwein nach den Quellen selbständig bearbeitet wurden, ist der dritte Teil fast ganz das Werk Maximilians.
Als Quellen für den ersten Teil dienten Treitzsaurwein eine Jugendgeschichte Maximilians (Codex Vindob. 2892), die Übersetzung der "Historia desponsationis et coronationis Friderici III. et coniugis ipsius Eleonorae" von Langkmann sowie "der Außzug von Teutschen Landen gen Rom"; diese beiden Drucke wurden weithin wörtlich abgeschrieben. Für den zweiten Teil bot ebenfalls die Jugendgeschichte Maximilians den Stoff, dazu vielfach mündliche Mitteilungen des Kaisers, die Treitzsaurwein dann
selbständig verarbeitete. Die Ereignisse, die im dritten Teil erzählt werden, sind fast zur Gänze vom Kaiser persönlich diktiert, der in dieser Arbeit ein Geschichtswerk schaffen wollte, wie es Caesar getan hatte. Tatsächlich besitzt dieser Teil des Weißkunig den Wert eines geschichtlichen Quellenwerkes.
Zum Text kommen 251 Holzschnitte als Illustrationen. 118 davon sind von Hans Burgkmair, 127 von Leonhard Beck, 4 von Hans Springinklee und 2 von Hans Schäuffelein. Das Werk wurde niemals abgeschlossen, da der Plan bestand, es bis auf die letzte Zeit des Kaisers fortzuführen. Erst sieben Jahre nach dem Tode des Kaisers, im Jahre 1526, gab König Ferdinand den Auftrag, daß Treitzsaurwein das Werk abschließen und seine Drucklegung besorgen soll; es kam aber nicht mehr dazu, da Treitzsaurwein schon 1527 starb. Erst 1775 wurde die erste Ausgabe gedruckt.
Die Manuskripte zum Weißkunig, die Probedrucke dazu sowie einige unmittelbare schriftliche Quellen sind zum größten Teil im Besitz der Österreichischen Nationalbibliothek; sie befanden sich in der Ambraser Sammlung und kamen 1665 in die kaiserliche Hofbibliothek in Wien. Schultz hat in seiner Weißkunig-Ausgabe die Handschriften in folgender Weise geordnet:
Handschrift A: Treitzsaurweins Weißkunig-Fassung von 1514. Codex 3032,
Handschrift B: Abschrift von Codex 3032 bis Kapitel 6. Codex 8145/III,
Handschrift C: Diktate Maximilians und Diktatreinschriften. Codex 2834,
Handschrift D: Frühere Fassung der Jugendgeschichte Maximilians. Codex 2892,
Handschrift E: Abschrift von Codex 3032 ab Kapitel 53, mit Korrekturen Maximilians. Codex 2832,
Handschrift F: Sammelband mit Holzschnitten und Zeichnungen. Codex 3033,
Handschrift G: Sammelband mit Holzschnitten und Zeichnungen, ehemals in der Fürstlich Liechtensteinischen Sammlung in Vaduz. 1952 von der Max-Kade-Foundation erworben, 1956 dem Stuttgarter Galerieverein geschenkt.
Handschrift H: Treitzsaurweins "Fragbuch" von 1515 mit Erläuterungen Maximilians zu den Holzschnitten und Zeichnungen. Codex 3034,
Handschrift J: Originalkonzepte zur lateinischen Autobiographie Maximilians. Österreichisches Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Maximiliana Fasz. 40 a.
Handschrift K: Abschriften dieser Originalkonzepte. Österreichisches Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Handschrift Blau 11.
Handschrift L: Die von Joseph Grünpeck geschriebene Reinschrift der Konzepte zur Autobiographie war Schultz noch nicht bekannt, ebensowenig den Herausgebern der "Musper"-Ausgabe. Sinngemäß kann sie den bisher bekannten Handschriften unter dem Siegel "L" angefügt werden. Codex 3302.


Erich Egg


Literatur: Der Weißkunig, herausgegeben von A. Schultz. In: JAK, Bd. 6 (Wien 1888). – J. STROBL, Studien über die literarische Tätigkeit Kaiser Maximilians 1. (Berlin 1913). – Kaiser Maximilians I. Weißkunig, herausgegeben von Th. Musper, 2 Bde. (Stuttgart 1956).