Feldschlange

Feldschlange

In: Ausstellung Maximilian I. Innsbruck. Katalog der Ausstellung vom 1. Juni bis 15. Oktober 1969. Herausgegeben vom Kulturreferat des Landes Tirol. Für den Inhalt verantwortlich Erich Egg. – Innsbruck: Verlagsanstalt Tyrolia 1969. 112. 8°. Objekt-Nr.: 482, S. 124.

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Leihgeber: Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum (Graz, Steiermark), Landeszeughaus
Feldschlange

© Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum, Graz


Vermutlich Sebald Pögl in Thörl (Steiermark)
um 1500/1510

Schmiedeisen, Länge 215 cm, Kaliber 4,3 cm; ohne Lafette. Vorderstück rund, Mittelstück (mit Schildzapfen), Hinterstück mit Bodenstück sowie Mündungsstück achtkantig, letzteres mit Kehlungen. Einfache Ranken- und Bandverzierungen an der hinteren Rohrhälfte. Ober fünf Kanten des Hinterstücks Inschrift in maximilianischer Textura: "armai?au". Auf der Mittelkante des Bodenstücks drei gleiche Marken, und zwar jeweils ein trifolienartiges Gebilde (Kleeblatt. Lilie?) in Schild. Seitlich das Zündloch mit Deckelverschluß; am Bodenstück eine lange Handhabe. Leichtester Geschütztyp der maximilianischen Artillerie. ursprünglich wohl mit Gabellafette ausgestattet.
Stammt von Stift Seckau bei Knittelfeld und kam im vorigen Jahrhundert als Schenkung von Baron Seßler-Herzinger ans Landeszeughaus. Da in der Steiermark zur Zeit Kaiser Maximilians nur Sebald Pögl in Thörl schmiedeeiserne Geschütze herstellte, ist anzunehmen, daß auch diese Feldschlange in seiner Werkstätte entstand. Seit 1500 war Sebald Pögl zu einem der wichtigsten Waffenlieferanten Kaiser Maximilians aufgestiegen und vor allem zur Massenerzeugung von Hakenbüchsen, leichteren und mittleren Geschütztypen sowie den dazugehörigen Kugelgeschossen, alle eisengeschmiedet, herangezogen worden.


Erich Egg


Literatur: F. PICHLER, Das Landeszeughaus in Graz, I. Bd. (Leipzig 1880), S. 49 (Fußnote). – O. SCHWARZ, Das steiermärkische Landeszeughaus in Graz. Ein Führer (Graz 1953), S. 15. – M. LOEHR, Thörl, Geschichte eines steirischen Eisenwerkes (Wien 1952).