Die Celtistruhe

Die Celtistruhe

In: Ausstellung Maximilian I. Innsbruck. Katalog der Ausstellung vom 1. Juni bis 15. Oktober 1969. Herausgegeben vom Kulturreferat des Landes Tirol. Für den Inhalt verantwortlich Erich Egg. – Innsbruck: Verlagsanstalt Tyrolia 1969. 112. 8°. Objekt-Nr.: 382, S. 101.

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Leihgeber: Universität Wien
Die Celtistruhe

© Photo K. Scherb, Wien


Würfelform von 31 cm Seitenlänge, Tempera

Die Celtistruhe wurde als Behältnis für die Insignien (Stiftbrief, Lorbeerkranz, Szepter, Birett, Ring, Siegel) des 1501 von K. Maximilian I. an der Wiener Universität gegründeten COLLEGIUM POETARUM 1508 nach dem Tode des Conrad Celtis angefertigt. Truhe und Insignien wurden bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts in der ARCHA FERREA der Universität aufbewahrt. In der folgenden Zeit verschollen, entdeckte sie der Substitut am Universitätsarchiv Karl Schrauf erst 1876 wieder, und zwar in einem Winkel des Pedellhauses der Universität (Sonnenfelsg. 19). Der Stiftbrief des COLLEGIUM POETARUM wird heute noch im Wiener Universitätsarchiv verwahrt, die Insignien sind aus der Truhe verschwunden. Nur das Siegel des Collegs war bis 1945 im K. Friedrich-Museum zu Berlin erhalten.
Der herausziehbare Deckel trägt ein Pergamentblatt mit der Inschrift:
Privilegia divi Maximiliani Romanorum imperatoris, archiducis Austrie etc., achademie Viennensi pro laureandis poetis concessa ductu ac industria insignis et primi Germanie laureati poete Conradi Celtis, qui ob innatam virtutem laurum cum sigillo argenteo eidem achademie dono dedit, nulli absque consistorii consensu communicanda. Anno 1508.
Über das Pergamentblatt halten zwei wilde Männer eine Kaiserkrone; unter der Inschrift ist das "Celtis-Wappen" (VIVO) angebracht. Wesentlich besser als der Deckel sind die von roten Leisten umrahmten Seitenbilder der Truhe erhalten. Die Vorderseite zeigt das Wappen Österreich, die Hinterseite den kaiserlichen nimbierten Doppeladler mit dem maximilianischen Brustschild (von Österreich und Burgund gespalten). In die Vorderseite ist ein Schiebebrettchen mit gedrechseltem Handgriff eingelassen, welches im Innern der Truhe als zweiter Boden dient. Auf dem linken Seitenfeld der Truhe sitzt die bekrönte, mit Lilienszepter und Büchern versehene Philosophie auf dem Thron. Die Darstellung folgt dem Dürerschen Holzschnitt von 1502, der sich in Celtis' LIBRI AMORUM findet. Auf dem von der Brust der SOPHIA bis auf den Boden herunterreichenden Schriftband finden sich zwischen den Zeichen für Philosophie und Theologie die griechischen Anfangsbuchstaben der SEPTEM ARTES LIBERALES. Auf der Rückenlehne des Thrones stehen ebenfalls in griechischer Schrift zwei Verszeilen aus dem PSEUDO PHOKYLIDES: "Vorerst ehre du Gott" und "Jedem teile sein Recht".
Auf der rechten Seite der Truhe ist der lorbeergekrönte Apoll im Parnass, unter einem Lorbeerbaum sitzend und den Tönen seiner Fiedel lauschend, dargestellt. Auch diese Darstellung wurde nach einem Dürerschen Holzschnitt in einem Werk des Celtis, im Ligurinus von 1507, gemalt, und ist wie das Bild der SOPHIA von venezianischen Vorbildern abhängig (Franz Gall).


Erich Egg