Kriegsfähnlein des Oberengadins

Kriegsfähnlein des Oberengadins

In: Ausstellung Maximilian I. Innsbruck. Katalog der Ausstellung vom 1. Juni bis 15. Oktober 1969. Herausgegeben vom Kulturreferat des Landes Tirol. Für den Inhalt verantwortlich Erich Egg. – Innsbruck: Verlagsanstalt Tyrolia 1969. 112. 8°. Objekt-Nr.: 127, S. 36.

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Leihgeber: Rätisches Museum Chur (Schweiz), 44
Kriegsfähnlein des Oberengadins

© Rätisches Museum Chur


15. Jahrhundert
Taffetseide, 240 x 300 cm; dreieckig mit horizontalem Oberrand, sehr locker gewoben; alte Stange ohne Spitze

Auf dem weißen Tuch ein schwarzer, springender Steinbock nach rechts als Wappentier von Graubünden aufgenäht. Das Tuch war ursprünglich größer, die Ränder sind stark zerfetzt, auch fehlt die äußerste Spitze. Das Fähnlein wurde in der Schlacht an der Calva mitgetragen. Es handelt sich um die Fahne des "Hochgerichts Oberengadin", einem der elf im Gotteshausbund zusammengeschlossenen souveränen Hochgerichte. Sie zeigt, wie die Fahnen einer ganzen Reihe von Hochgerichten das Hoheitszeichen des Bundes als Wappenbild, den Steinbock, welcher im Bündner Volk noch heute als Urbild der Kraft angesehen wird und sich großer Popularität erfreut.
Die Fahne soll in die Schlacht an der Calven getragen worden sein, in jener Schlacht, die am 22. Mai 1499 am Ausgang des Münstertales um die "Letzi" (Befestigungsanlage) der tirolischen Truppen ausgetragen wurde. Sie war das zweitletzte große Treffen im Schwaben- oder Schweizerkrieg, der, wie Dierauer bemerkt, "auf beiden Seiten mit herausforderndem Hohn, mit tiefer Erbitterung und mit entfesselter, oft planlos wütender Tapferkeit" geführt wurde. Der entscheidende bündnerische Sieg hat dem weiteren Vordringen Österreichs ein Ende gesetzt, die Existenz des Dreibündestaates gesichert und den Frieden von Basel ermöglicht, welcher für Graubünden wie auch für die Eidgenossenschaft praktisch das Ausscheiden aus dem deutschen Reichsverband bedeutete.


Erich Egg


Literatur: Albert BRUCKNER, Berty BRUCKNER, Schweizer Fahnenbuch (St. Gallen 1942), Nr. 536.