Die "Schöne Maria" von Regensburg

Die "Schöne Maria" von Regensburg

In: Die Kunst der Donauschule 1490 - 1540. Katalog der Oberösterreichischen Landesausstellung im Stift St. Florian und im Schloßmuseum Linz vom 14. Mai bis 17. Oktober 1965. Für den Inhalt verantwortlich Otto Wutzel. – Linz: Oberösterreichischer Landesverlag 1965. 321. quer-8°. Objekt-Nr.: 56, S. 47.

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Leihgeber: Kollegiatsstift St. Johann (Regensburg, Deutschland)
Die

© O. Poss, Eisenärtz, Obb.


Auf der Papierrolle in der Hand des Kindes: "IHES./CRIS/TUS. V/AME." Der Rahmen wurde 1938 anläßlich der Altdorfer-AussteIlung in München von Prof. Lischka dem Rahmen des Farbholzschnittes Altdorfers frei nachgebildet der seinerseits den wohl von Altdorfer entworfenen Marmorrahmen des Gnadenbildes festhält. Lindenholz, 75,8 x 65 cm.

Das Marienbild Altdorfers ist eine freie Nachbildung der uralten "Lukas-Madonna", die sich heute noch in der Alten Kapelle in Regensburg befindet. Nach dem unerwarteten Tode Kaiser Maximilians am 12. Jänner 1519 kam es bereits am 22. Februar zu einer Austreibung der Juden. Die Synagoge mußte innerhalb von zwei Stunden geräumt werden und wurde anschließend abgebrochen. Vor dem Abbruch fertigte Altdorfer zwei Zeichnungen an, die er durch Radierungen vervielfältigte. An Stelle der Synagoge wurde sofort jene hölzerne Kirche für das Gnadenbild der "Schönen Maria" errichtet, die Michael Ostendorfer in seinem Holzschnitt festgehalten hat. An der nun der Gottesmutter geweihten Stätte konnte jetzt niemals wieder eine Synagoge errichtet werden. Stürmisch entwickelte sich sofort eine Wallfahrt, die ungeheuere Scharen von überallher anzog. An Stelle der hölzernen Kapelle sollte später eine steinerne Kirche der "Schönen Maria" errichtet werden, die in der heutigen Neupfarrkirche nur unvollkommen verwirklicht wurde, von der aber ein Holzmodell im Museum Regensburg und der andere große Holzschnitt Ostendorfers eine gute Vorstellung geben. Die Bildtafel Altdorfers, die er wahrscheinlich für einen privaten Auftraggeber anfertigte, wurde erst 1938 wieder entdeckt, nachdem man sie von starken Übermalungen und einem klassizistisch ornamentierten Goldgrund in München befreit hatte. Den ersten Hinweis, daß es sich bei der völlig entstellten Bildtafel um ein Werk Altdorfers handeln könnte, hatte bereits Mader im Kunstdenkmäler-Inventar gegeben. Die Bildtafel Altdorfers wurde darauf in der Münchner Ausstellung 1938 ganz zu Unrecht als das eigentliche Gnadenbild betrachtet. Außer der Bildtafel hat Altdorfer auch noch in seinem Farbenholzschnitt das byzantinische Gnadenbild frei nachgebildet.


Franz Winzinger


Literatur: Ernst BUCHNER, Albrecht Altdorfer und sein Kreis. Ausstellung (München 1938), Nr. 34, dort weitere Spezialliteratur. – Otto BENESCH, Der Maler Albrecht Altdorfer (Wien 1939), Nr. 50. – Ludwig BALDASS, Albecht Altdorfer (Wien 1941), S. 133f. – Bayerische Frömmigkeit. 1400 Jahre christliches Bayern. Ausstellung anlässlich des Eucharistischen Weltkongresses München 1960. Stadtmuseum München (München 1960), Nr. 381. – Alfred STANGE, Malerei der Donauschule (München 1964), S. 141, Nr. 14, dort die Literatur.