Die heilige Familie mit Johannes Evangelist

Die heilige Familie mit Johannes Evangelist

In: Die Kunst der Donauschule 1490 - 1540. Katalog der Oberösterreichischen Landesausstellung im Stift St. Florian und im Schloßmuseum Linz vom 14. Mai bis 17. Oktober 1965. Für den Inhalt verantwortlich Otto Wutzel. – Linz: Oberösterreichischer Landesverlag 1965. 321. quer-8°. Objekt-Nr.: 54, S. 46.

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Leihgeber: Kunsthistorisches Museum (Wien), 1422
Die heilige Familie mit Johannes Evangelist

© Foto Meyer KG, Wien


Albrecht Altdorfer
Mit den Namenszeichen und der Jahreszahl 1515 rechts und links oben. Unten rechts alte Nummer 471. Lindenholz, 22,5 x 20,5 cm.

Das farbenprächtige Bildtäfelchen, das aus der Ambraser Sammlung stammt, ist unzweifelhaft von oberitalienischen Vorlagen inspiriert, worauf vor allen Dingen auch die Fruchtgehänge hindeuten. Offenbar hat auch der Stich des Giovanni da Brescia, den Altdorfer auch sonst benützte (Winzinger, Altdorfer-Graphik, Anh. 17) anregend gewirkt. Wäre das Bildtäfelchen nicht 1515 datiert, so würde seine zeitliche Einordnung erhebliche Schwierigkeiten verursachen, da Altdorfer ganz unerwartet in den Gewändern wieder auf den Parallelfaltenstil seiner Frühzeit zurückgreift. Die weiche, malerische Behandlung besonders des Kinderkörpers ist ebenfalls auffallend. Die Fruchtgehänge gehen in der Zeichenweise mit ähnlichen Schmuckformen Altdorfers an den Ecktürmen der Ehrenpforte zusammen (Winzinger, Altdorfer-Graphik, Anh. 10), die ebenfalls um 1515 entstanden sind. Das köstliche, intime Andachtsbild wendet sich vor allen Dingen auch als Kunstwerk an eine humanistisch gebildete Schicht von Kunstfreunden und Sammlern, die Altdorfers bildmäßige Helldunkelzeichnungen hoch zu schätzen wußten.
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Franz Winzinger


Literatur: Ernst BUCHNER, Albrecht Altdorfer und sein Kreis. Ausstellung (München 1938), Nr. 12, dort weitere Spezialliteratur. – Otto BENESCH, Der Maler Albrecht Altdorfer (Wien 1939), Nr. 16. – Ludwig BALDASS, Albecht Altdorfer (Wien 1941), S. 92. – Karl OETTINGER, Altdorfer-Studien (Nürnberg 1959). – Katalog der Gemäldegalerie, II (Wien 1963), Nr. 11. - Alfred STANGE, Malerei der Donauschule (München 1964), S. 141, Nr. 10, dort die Literatur.