Mozart am Klavier

Mozart am Klavier

In: Mozart. Bilder und Klänge. Katalog der Salzburger Landesausstellung im Schloß Kleßheim in Salzburg vom 23. März bis 3. November 1991. Veranstaltet vom Land Salzburg in Zusammenarbeit mit der Internationalen Stiftung Mozarteum. Redaktion Rudolph Angermüller und Geneviève Geffray. Salzburger Landesausstellung 6. – Salzburg: Salzburger Landesausstellungen 1991. 424.4°. Objekt-Nr.: 332, S. 384.

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Leihgeber: Mozart Museum (Salzburg Stadt, Salzburg), 90/10
Mozart am Klavier

© Internationale Stiftung Mozarteum, Salzburg (Foto Frank, Plainfeld)


Unvollendetes Ölbild von Joseph Lange. Wien, Frühjahr 1789. 34,3 x 29,5 cm

Das vielleicht authentischste Porträt Wolfgang Amadeus Mozarts, das sein Schwager, der Maler und Schauspieler Joseph Lange, malte, wurde nicht, wie Otto Brich Deutsch in seinem Mozart-Bildband veröffentlichte, 1782/1783 geschaffen, sondern erst im Frühjahr 1789. Die erste sichere Nachricht über das Porträt finden wir in einem Brief Mozarts an seine Frau Constanze aus Dresden vom 16. April 1789: "ich möchte gerne wissen [...] ob die Langischen bisweilen kommen? – ob an den Portrait fortgearbeitet wird?" Mozart hatte es auf seine Reise nach Berlin mitgenommen, denn, so berichtete er, "denke daß ich alle Nacht ehe ich ins Bett gehe eine gute halbe Stunde mit deinem Portrait spreche, und so auch beim erwachen [...]" Das Porträt, das niemals vollendet wurde, stellt Mozart in seiner Wohnung am Klavier sitzend dar.
Joseph Lange, am 1. April 1751 in Würzburg geboren, mußte durch den frühen Tod seines Vaters auf einen Besuch der Universität verzichten, nahm Unterricht beim Porträt- und Historienmaler Schleyer und schlug 1771 als Heldendarsteller die Theaterlaufbahn ein. Zu seinen Glanzrollen gehörten Hamlet, Romeo, Othello, Coriolan und Fiesco. Er heiratete in zweiter Ehe Aloisia Weber, die seit Oktober 1779 an der Wiener Hofoper engagiert war. Die Familie Mozart stand in einem freundschaftlichen Verhältnis zu Aloisia und Joseph Lange. Langes nahe Bekanntschaft drückt sich nicht nur in einem der besten Porträts des Komponisten aus, sondern er schildert auch dessen Charaktereigenschaften. In seiner Selbstbiographie beschreibt Lange seinen Schwager: "Es ist so viel von den Eigenheiten dieses großen Mannes geschrieben worden, daß ich mich hier nur auf eine beschränke. Nie war Mozart weniger in seinen Gesprächen und Handlungen für einen großen Mann zu erkennen, als wenn er gerade mit einem wichtigen Werk beschäftigt war. Dann sprach er nicht nur verwirrt durcheinander, sondern machte mitunter Späße einer Art, die man an ihm nicht gewohnt war; ja er vernachlässigte sich sogar absichtlich in seinem Betragen. Dabey schien er doch über nichts zu brüten und zu denken. Entweder verbarg er vorsetzlich aus nicht zu enthüllenden Ursachen seine innere Anstrengung unter äußerer Frivolität; oder er gefiel sich darin, die göttlichen Ideen seiner Musik mit den Einfällen platter Alltäglichkeit in scharfen Contrast zu bringen, und durch eine Art von Selbst-Ironie sich zu ergetzen. Ich begreife, daß ein so erhabener Künstler aus tiefer Verehrung für die Kunst seine Individualität gleichsam zum Spotte herabziehen, und vernachlässigen könne."


Johanna Senigl


Literatur: Werner DETTELBACHER, Er spielte Hamlet und Othello und hat Mozart gemalt, in: Salzburger Nachrichten, 27. Jänner 1979, S. 28. – Otto Erich DEUTSCH, Zu den Bildnissen der Familie Mozart, in: Mitteilungen der Internationale Stiftung Mozarteum 13 (1965), Heft 1/2, S. 12-13. – Joseph LANGE, Biographie des Joseph Lange, k. k. Hofschauspielers in Wien, bey Peter Rehms sel. Witwe 1808, S. 171-172.