Joseph Grassi. Porträt Wolfgang Amadeus Mozarts (?)

Joseph Grassi. Porträt Wolfgang Amadeus Mozarts (?)

In: Mozart. Bilder und Klänge. Katalog der Salzburger Landesausstellung im Schloß Kleßheim in Salzburg vom 23. März bis 3. November 1991. Veranstaltet vom Land Salzburg in Zusammenarbeit mit der Internationalen Stiftung Mozarteum. Redaktion Rudolph Angermüller und Geneviève Geffray. Salzburger Landesausstellung 6. – Salzburg: Salzburger Landesausstellungen 1991. 424.4°. Objekt-Nr.: 314a, S. 358.

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Leihgeber: Gosudarstvennyi central'nyj muzej muszykal'nojkul'turyim M. I. Glinka / Staatliches Glinka-Museum für Musikkultur (Moskau, Russische Föderation), 193/II
Joseph Grassi. Porträt Wolfgang Amadeus Mozarts (?)

© Staatliches Glinka-Museum für Musikkultur, Moskau


Ölbild auf Karton. 24,5 x 21 cm

Das Mozart-Porträt (?) von Joseph Grassi, das seit seiner Entstehung im Jahre 1785 als verschollen galt, konnte vom Verfasser im November 1988 wieder aufgefunden werden.
Joseph Grassi wurde 1758 als Sohn eines Galanteriearbeiters in Wien geboren. Er entstammte einer schon im 17. Jahrhundert in Wien ansässigen Familie de Grassi. Ende 1768 wurde er als Schüler an der Wiener Akademie angenommen. Frühreif und schon in jungen Jahren sehr auf klingenden Erfolg bedacht, fand Grassi schnell Einzug in jene vornehme höfische Welt, deren Vertreter er – so wie sie es wünschten – zu porträtieren verstand. Von 1784 bis 1790 wurde er zum bekanntesten Porträtisten des Wiener Hochadels, als der er auch einige Gestalten aus Mozarts Freundes- und Bekanntenkreis in gekonnten Bildern festhielt: etwa die Gräfinnen Kinsky, von Thun-Hohenstein (Lady Guilford), Clam-Gallas und von Neipperg, die Fürsten von Fürstenberg und Poniatowski, die Fürstinnen Auersperg, Lichnowsky und von Liechtenstein, den Bankier Graf Moritz Fries und die Bankierstochter von Pereira- Arnstein, den Arzt und Kraniologen Dr. Gall und auch den Bildhauer Anton Grassi (ein Verwandter, wenn nicht gar der Bruder Joseph Grassis, von dessen Hand wir die bekannte Biskuitbüste Joseph Haydns besitzen).
Aufgrund dieses letzten Bildes wurde Grassi 1791 Mitglied der Wiener Akademie. Doch schon 1790 berief ihn der polnische König nach Warschau, wo er zum bevorzugten Porträtisten des Hofes und des polnischen Hochadels aufstieg. Nach weiteren Aufenthalten in Wien (1794-1796), Rußland und Schlesien wurde er 1800 Professor an der Akademie in Dresden. Bis 1816 wirkte er hier und am Hofe des kunstliebenden Herzogs von Sachsen-Gotha, hier entstanden die berühmten Gemälde der Königin Luise und des Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen (beide 1802) und des Prinzen Louis Ferdinand (1806), die heute noch in Berlin bewundert werden können.
Nach einem Rom-Aufenthalt (1816 bis 1821) kehrte Grassi nach Dresden zurück, wo er nach Jahren der Krankheit 1838 vereinsamt starb.
Mozart und Grassi haben zehn Jahre lang (1781-1791) in Wien nebeneinander gelebt. Eine engere Bekanntschaft des Ehepaares Mozart und des mit ihm verschwägerten Ehepaares Lange mit Joseph Grassi beweist ein an den Vater gerichteter Brief vom 12. März 1783, in dem Mozart berichtet, wie er am Faschingsmontag, dem 3. März 1783, mit seinen Freunden im Redoutensaal der Hofburg während der halbstündigen Pause des öffentlichen Maskenballs eine "Maskerade" – die von Mozart selbst erfundene Pantomime "Pantalon und Colombine" mit seiner Musik KV 446 – aufgeführt hätte. So berichtet er: "Meine schwägerin war die Colombine, ich der Harlequin, Mein schwager der Piero, ein alter tanzmeister / Merk / der Pantalon. ein Maler (graßi) der Dottore. –
die Erfindung der Pantomime, und die Musick dazu war beydes von mir – der Tanzmeister Merk hatte die güte uns abzurichten; und ich sag es ihnen wir spielten recht artig."
Über die Fragen der Echtheit und der Provenienz des Bildes hat im Rahmen des Mozart-Kongresses 1991 in Salzburg ein Symposium stattgefunden, über das eine gesonderte Publikation im Bärenreiter Verlag in Kassel berichten wird (voraussichtlicher Erscheinungstermin: Frühjahr 1991).


Jürgen Köchel