Mozart an Johann Michael Puchberg in Wien

Mozart an Johann Michael Puchberg in Wien

In: Mozart. Bilder und Klänge. Katalog der Salzburger Landesausstellung im Schloß Kleßheim in Salzburg vom 23. März bis 3. November 1991. Veranstaltet vom Land Salzburg in Zusammenarbeit mit der Internationalen Stiftung Mozarteum. Redaktion Rudolph Angermüller und Geneviève Geffray. Salzburger Landesausstellung 6. – Salzburg: Salzburger Landesausstellungen 1991. 424.4°. Objekt-Nr.: 309, S. 350.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Internationale Stiftung Mozarteum (Salzburg), Bibliothek, B/D 1079
Mozart an Johann Michael Puchberg in Wien

© Internationale Stiftung Mozarteum, Salzburg (Foto Frank, Plainfeld)


Wien, 27. Juni 1788. Autograph. 1 Blatt mit 1 beschriebenen Seite. 25 x 19,5 cm

In den Jahren 1788 bis 1791 schrieb Mozart an seinen Logenbruder Johann Michael Puchberg mindestens 21 Briefe, in denen er Puchberg um finanzielle Hilfe bat. Im Brief vom 27. Juni 1788 schreibt Wolfgang unter anderem: "[...] Meine laage ist so, daß ich unumgänglich benöthiget bin, geld aufzunehmen. – aber gott, wem soll ich mich vertrauen? – niemanden als ihnen, mein bester! – Wenn Sie mir nur wenigstens die Freundschaft thun wollen, mir durch einen andern weg geld zu verschaffen! – ich zahle Ja gerne die Interesen – und derjenige der mir lehnte ist Ja durch meinen Character, und meine besoldung glaub' ich gesichert genug; – es thut mir leid genug, daß ich in diesem falle bin – eben deswegen wünschte ich aber eine etwas ansehnliche Summe auf einen etwas längern Termin zu haben, um einem solchen falle vorbeugen zu können. – wenn Sie, liebster br: mir in dieser meiner laage nicht helfen, so verliere ich meine Ehre und Credit, welches das einzige ist was ich zu erhalten wünsche; – ich baue aber ganz auf ihre ächte Freundschaft und br: liebe, und erwarte zuversichtlich daß sie mir mit rath und That an die Hand gehen werden; – wenn mein wunsch in erfüllung geht so kann ich frey odem schöpfen, weil ich dann im Stande seyn werde mich in ordnung zu bringen, und auch darin zu erhalten; [...] ich habe in den 10 Tagen daß ich hier wohne, mehr gearbeitet, als in andern logis die 2 Monathe, – und kämmen mir nicht so oft so schwarze gedanken / : die ich mir mit gewalt aus=schlagen muß : / würde es mir noch besser von statten gehen; denn ich wohne angenehm, – bequem und – Wohlfeil." Wer war der reiche Puchberg, von dem Mozart innerhalb von drei Jahren ca. 1,260.000 Schilling leihen wollte, aber nur ca. 445.725 bekam? Von Hause aus war Puchberg, der am 22. September 1741 in Zwettl / Niederösterreich geboren wurde, nicht mit Reichtümern gesegnet. In Wien begann er 1768 Karriere und Fortüne zu machen. Er wurde in der Kaiserstadt in das Geschäft des Michael Salliet aufgenommen, der mit Ganz- und Halbseidenzeug, Samt, Tücheln und Handschuhen en gros handelte. Puchberg bewährte sich als guter Kaufmann, so daß er bald zum Geschäftsführer avancierte. Am 24. Dezember 1777 starb Salliet, er hinterließ seiner Frau und seinen fünf Kindern gut 60 Millionen Schilling. Puchberg heiratete dann am 15. August Salliets Witwe Elisabeth, die sieben Jahre jünger war als er. Elisabeth starb am 25. Mai 1784. Sie hinterließ ca. 38 Millionen Schilling, ca. 6 Millionen davon erhielt Puchberg. Am 20. September 1785 übernahmen Johann Michael Puchberg und sein Bruder Philipp Anton die Firma Salliet, die am Hohen Markt Nr. 489 angesiedelt war. Puchberg wohnte privat ebenfalls am Hohen Markt (Nr. 522), in einem Haus, das dem Grafen Franz Walsegg-Stuppach gehörte. Nach Mozarts Tod setzte seine Frau Constanze Puchberg zum Nachlaßverwalter ein. In den politischen Wirren um 1800 und in der napoleonischen Ära verlor er sein Hab und Gut. Verarmt starb er, der vielen Freunden und Fabrikanten Kredite gewährt hatte, im Jahre 1822.


Rudolph Angermüller


Literatur: Rudolph ANGERMÜLLER, Faksimile-Ausgabe des Briefes mit Kommentar und Übertragung (Salzburg: ISM o. J.).