Logensitzung der Loge "Zur neugekrönten Hoffnung"

Logensitzung der Loge "Zur neugekrönten Hoffnung"

In: Mozart. Bilder und Klänge. Katalog der Salzburger Landesausstellung im Schloß Kleßheim in Salzburg vom 23. März bis 3. November 1991. Veranstaltet vom Land Salzburg in Zusammenarbeit mit der Internationalen Stiftung Mozarteum. Redaktion Rudolph Angermüller und Geneviève Geffray. Salzburger Landesausstellung 6. – Salzburg: Salzburger Landesausstellungen 1991. 424.4°. Objekt-Nr.: 235, S. 266.

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Leihgeber: Historisches Museum der Stadt Wien, 47927
Logensitzung der Loge

© Historisches Museum der Stadt Wien


Anonymes Ölbild. Um 1790
74 x 94 cm

Das Historische Museum Wien kaufte 1926 dieses Ölbild von Rudolf von Tinti, einem Nachfahren jener Barone Tinti, die Leopold Mozart bei seinem Wiener Besuch in Mozarts Wohnung kennenlernte. Durch intensive Recherchen in Freimaurer-Logenlisten und durch Porträtstudien konnten die Personen zu einem Großteil identifiziert werden.
Das Bild muß Anfang Januar 1790 gemalt worden sein, da Fürst Nikolaus Esterházy, der vorne in der Mitte abgebildet ist, Anfang Februar Wien verließ und erst im September sterbenskrank zurückkam. Wir besitzen eine einzige Logenliste von 1790, in der er und Mozart eingetragen sind, der Fürst als Zeremonienmeister und Mozart als "Anwesender Bruder". Daß es sich hier um die Loge "Zur neugekrönten Hoffnung" handelt, belegt die vorher erwähnte Anwesenheitsliste und außerdem das Gemälde im Hintergrund des Bildes, das einen Regenbogen zeigt, der in der symbolischen Sprache der Bibel und auch der Maurerei das Zeichen der Hoffnung ist. Das "neu" bezieht sich auf die 1785 neugegründete Loge, die die Brüder der Loge "Zur Wohlthätigkeit", der Mozart angehörte, und der Loge "Drei Feuer" aufgenommen hatte.
Meister vom Stuhl war 1790 Graf Johann Esterházy, mit dem Hammer in der erhobenen Hand. Rechts von ihm der Deputierte Meister Joseph von Metz, vor ihm mit einem Dokument in der Hand ein Aufseher, Sekretär oder Redner. Auf der rechten Seite, zweitletzter von hinten, ist der Kapuziner Pater Ignaz Faber zu sehen, ein besuchender Bruder. Seine Silhouette findet sich im Stammbuch des Logenbruders Johann Georg Kronauer, in dem sich Mozart auch eingetragen hat. Unter der Statue des Hermes sitzt Johann Lambert von Hanotte, "Kanonikus und Prälat zu Huy in Lüttich". Im Vordergrund ist Mozart zu erkennen. In der Mitte wird ein Neophyte den Brüdern vorgestellt, links von ihm Fürst Nikolaus Esterházy und rechts von ihm Wenzel Thomas Eppstein von Ankersberg. Links im Vordergrund steht Graf Johann Nepomuk Esterházy, der zweite, sitzende Bruder ist der Kupferstecher Ignaz Alberti und der fünfte der Schauspieler Karl Ludwig Gieseke, erster Sklave in Mozarts "Zauberflöte". Im Hintergrund der spätere Verleger Carlo Mechetti und, hinter ihm sitzend, der Buchhändler Christian Friedrich Wappler.
Einigen Geheimnissen des Bildes ist man durch die Identifizierung der dargestellten Personen bereits auf die Spur gekommen. Warum jedoch Graf Johann Nepomuk Esterházy im Bild ist, den sein Beruf schon lange Monate in Siebenbürgen festhielt, ist nicht zu erklären. Er könnte natürlich gerade einmal im Monat Januar in Wien gewesen sein, wie auch Eppstein, und auf einer bisher nicht aufgefundenen Liste verzeichnet sein. Ein weiteres Kuriosum des Bildes ist, daß es wenigstens drei gleichzeitig stattfindende Ereignisse zeigt: den amtierenden Meister, die Verlesung eines Dokuments und die Einführung eines Neophyten, abgesehen von den sich unterhaltenden Brüdern, die dem Meister keinerlei Aufmerksamkeit schenken. Was wohl der Maler, der sicher auch Freimaurer war, mit diesem Bild aussagen wollte?


Howard Chandler Robbins Landon