Mozart als Ritter vom Goldenen Sporn

Mozart als Ritter vom Goldenen Sporn

In: Mozart. Bilder und Klänge. Katalog der Salzburger Landesausstellung im Schloß Kleßheim in Salzburg vom 23. März bis 3. November 1991. Veranstaltet vom Land Salzburg in Zusammenarbeit mit der Internationalen Stiftung Mozarteum. Redaktion Rudolph Angermüller und Geneviève Geffray. Salzburger Landesausstellung 6. – Salzburg: Salzburger Landesausstellungen 1991. 424.4°. Objekt-Nr.: 161, S. 174.

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Leihgeber: Mozart Museum (Salzburg Stadt, Salzburg), 90/9
Mozart als Ritter vom Goldenen Sporn

© Internationale Stiftung Mozarteum, Salzburg (Foto Frank, Plainfeld)


Kopie von Antonio Mario Nardi (1925) eines anonymen Ölbildes, Salzburg, August/September 1777. 74,5 x 64,5 cm

Am 7. Juli 1770 kündigt Leopold Mozart seiner Frau in Salzburg an: "wir wollen morgen eine Neuigkeit erfahren, die, wenn sie wahr ist euch in verwunderung setzen wird. Es soll nämlich der Card: Pallavicini ordre haben vom Pabst dem Wolfg: ein ordenskreutz und Diploma zu überreichen." Drei Tage später, weiß der stolze Vater: "Es ist das nämliche was der Gluck hat, und heist te creamus auratae Militiae Equitem etcetc: er muß ein schönes Goldenes Kreutz tragen, so er bekommen hat, und du kannst dirs einbilden wie ich lache, wenn alle zu ihm itzt Sgr: Cavaliere sagen höre." An diesem Tage schickte Leopold auch eine Kopie des (in lateinischer Sprache verfaßten) päpstlichen Breve. Mozart bekam diesen Orden in einem höheren Rang als Gluck oder Ditters von Dittersdorf, dem des "vergoldeten Ritters", mit dem vor ihm nur ein Musiker – Orlando di Lasso – ausgezeichnet worden war. Das Original des Breve wurde wahrscheinlich 1778 vom Mozart mit dem Orden verloren, der darauf keinen Wert legte.
Die Kopie lautet: "[. ..] Deshalb wollen wir wegen deiner aufrichtigen und treuen Ergebenheit gegen Uns und denselben Stuhl deine Verdienste mit würdiger Gunstbezeugung unserer Gnade und Wohlgätigkeit begleiten. Indem wir im Hinblick darauf von allen Strafsentenzen der Exkommunikation, des Interdiktes und anderen kirchlichen Verurteilungen, Zensuren und Strafen, die von einem Menschen oder von Recht irgendwie verhängt worden sind, wenn du solche dir etwa zugezogen hast, dich lossprechen und also davon losgesprochen erklären, sind wir geneigt, dein durch andere uns überreichtes Bittgesuch zu erfüllen. Wir ernennen und machen dich, von dem wir wissen, daß du von frühester Jugend an in süßester Weise im Cembalospiel dich ausgezeichnet hast, kraft der Autorität des Apostolischen Stuhles mit gegenwärtigem Breve zum Ritter des goldenen Sporns und reihen dich gern in die Zahl der Ritter dieses Ordens ein [...]."
Das Porträt "Mozart als Ritter vom Goldenen Sporn" ist eine 1925 im Auftrag der Internationalen Mozart-Gemeinde von Antonio Mario Nardi verfertigte Ölkopie nach dem Original im Civico Museo Bibliografico Musicale in Bologna. Das Porträt wurde vor Mozarts Abreise nach Paris 1777 für Padre Giambattista Martini gemalt und im Dezember nach Bologna durch die Handelsfirma von Sigmund Haffner geschickt. Es zeigt Mozart mit dem Orden (Stern an rotseidenem Band) vor einem "Clavier" stehen, und Leopold Mozart versicherte Padre Martini, "che é rißomigliantißimo – I'é tal quale". Ein erstes Porträt Mozarts als Ritter vom Goldenen Sporn soll nach der ersten Reise nach Italien (1771) für die Philharmonische Akademie zu Bologna von einem anonymen Maler gemacht worden und in späterer Zeit verloren gegangen sein. Es kann sich aber in keinem Fall um das "Original" dieses Bildnisses handeln, das sechs Jahre später – als Mozart schon erwachsen war – als "sehr ähnelnd" von Leopold beschrieben wird.


Geneviève Geffray


Literatur: Walter HUMMEL, Die wichtigsten Bildnisse und Musikinstrumente im Mozart-Museum zu Salzburg, in: Mozart-Jahrbuch 1959 (Salzburg 1960), S. 188-201.