Jean-Jacques Rousseau

Jean-Jacques Rousseau

In: Mozart. Bilder und Klänge. Katalog der Salzburger Landesausstellung im Schloß Kleßheim in Salzburg vom 23. März bis 3. November 1991. Veranstaltet vom Land Salzburg in Zusammenarbeit mit der Internationalen Stiftung Mozarteum. Redaktion Rudolph Angermüller und Geneviève Geffray. Salzburger Landesausstellung 6. – Salzburg: Salzburger Landesausstellungen 1991. 424.4°. Objekt-Nr.: 106, S. 117.

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Leihgeber: Musée Carnavalet (Paris, Frankreich), S 1855
Jean-Jacques Rousseau

© Musée Carnavalet, Paris (Photothèque des Musées de la Ville de Paris)


Anonyme Büste. 64 x 45 cm

In Genf als Sohn eines Uhrmachers geboren, entfloh der 16jährige der begonnenen Kupferstecherlehre und begann ein Vagantenleben. Er versuchte sich danach in vielen Berufen, als Notenschreiber, Vaudevillekomponist, Botschaftssekretär und anderem, war Geliebter und Günstling der Frau von Warens und freundete sich später bei seiner Mitarbeit an der Enzyklopädie in Paris mit Diderot an. Nach dem Bruch mit diesem lebte er seit 1756 in Montmorency, wo er seine meisten Werke schrieb, mußte 1762 in die Schweiz fliehen, war auf Einladung Humes in England und seit 1770 wieder in Paris. Er lebte 23 Jahre mit der Dienstmagd Thérèse Levasseur zusammen, die ihm fünf Kinder schenkte, bevor er sie heiratete.
Rousseaus ungeheure Wirkung beruhte auf der Neuentdeckung der "Natur" und des Gefühls im Zeitalter des Rationalismus. Bereits in seinem "Discours sur les sciences et les arts ..." erlangte er 1750 erste Berühmtheit. In "Du contrat social ou principes du droit politique" (1762) entwickelt er die Lehre von der Volkssouveränität und dem Gesellschaftsvertrag, der aus dem gleichen Willen der einzelnen in der Gesellschaft entsteht. Die oberste Staatsgewalt sieht er als Ausdruck des Gemeinwohles und des Gemeinwillens. Durch seine staatspolitischen Ideen wurde Rousseau zum Haupttheoretiker der Französischen Revolution.
Rousseaus Intermède "Le Devin du village" kann als Meilenstein in der französischen Musik betrachtet werden. Der Erfolg des Stückes war so außerordentlich, daß im 18. Jahrhundert davon viele Übersetzungen in europäische Sprachen gemacht wurden. Favart schrieb darauf eine Parodie, die der junge Mozart in "Bastien und Bastienne" 1767/1768 wieder aufgriff. Rousseaus Kompositionsweise, von vielen gelobt und abgelehnt, stellte für die Zeitgenossen absolut Neues dar, in einigen Zügen nahm er das romantische Musiktheater voraus.


Gerhard Ammerer


Literatur: Jean STAROBINSKI, Rousseau. Eine Welt von Widerständen (München/Wien 1988). – Michael SOETARD, Jean-Jacques Rousseau. Philosoph - Pädagoge - Zerstörer der alten Ordnung. Eine Bildbiographie (Zürich 1989).