François Marie Arouet, genannt Voltaire

François Marie Arouet, genannt Voltaire

In: Mozart. Bilder und Klänge. Katalog der Salzburger Landesausstellung im Schloß Kleßheim in Salzburg vom 23. März bis 3. November 1991. Veranstaltet vom Land Salzburg in Zusammenarbeit mit der Internationalen Stiftung Mozarteum. Redaktion Rudolph Angermüller und Geneviève Geffray. Salzburger Landesausstellung 6. – Salzburg: Salzburger Landesausstellungen 1991. 424.4°. Objekt-Nr.: 105, S. 116.

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Leihgeber: Musée Carnavalet (Paris, Frankreich), S. 1854
François Marie Arouet, genannt Voltaire

© Musée Carnavalet, Paris (Photothèque des Musées de la Ville de Paris)


Anonyme Büste. 62 x 45 cm

In Paris 1694 geboren und von Jesuiten erzogen, wandte sich Voltaire früh der Philosophie und Dichtkunst zu. Wegen angeblich von ihm stammender satirischer Gedichte auf Ludwig XIV. wurde er 1717/1718 in die Bastille eingesperrt. Die Jahre 1726 bis 1729 verbrachte er im Exil in London und bewunderte das dortige konstitutionelle System. Die 1733 auf englisch, 1734 auf französisch erschienenen "Lettres sur les Anglais ou Lettres philosophiques", worin er die französischen Verhältnisse kritisierte, wurden verboten und verbrannt. Um einer Verhaftung zu entgehen, lebte er ab 1734 ein Jahrzehnt in Lothringen und hatte dort seine fruchtbarste Zeit als Schriftsteller. 1750 finden wir ihn am preußischen Hof, 1751 beteiligte er sich an der Enzyklopädie und siedelte sich nach einigen Wanderjahren zunächst in Genf, dann in Ferney, nahe der französisch-schweizerischen Grenze, an. 1778 gestorben, wird sein Leichnam 1791 ins Pariser Pantheon überführt.
Sein Ableben kommentierte Mozart mit folgenden Worten: "Nun gebe ich ihnen eine nachricht die sie vielleicht schon wissen werden, daß nehmlich der gottlose und Erz=spizbub voltaire so zu sagen wie ein hund – wie ein vieh crepirt ist – das ist der lohn!"
Voltaire war der einflußreichste Denker der französischen Aufklärung, der er auch pessimistische Züge gab. Der Abbau von realitätsfernen Irrtümern und Vorurteilen war Ziel seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Diese weist ihn als naturwissenschaftlichen Deterministen aus, der Christentum und Kirche bekämpfte, jedoch entschiedener Deist war ("Si Dieu n'existait pas, il faudrait l'inventer"). Auch in seinem dramatischen Werk, das der französischen Klassik verpflichtet blieb, beschwor er Freiheit und Gleichheit für alle, betonte jedoch die Notwendigkeit von Standesunterschieden.


Gerhard Ammerer


Literatur: Jean ORIUEX, Das Leben des Voltaire, 2 Bände (Frankfurt/Main ²1978). – Alfred NOYES, Voltaire. Dichter - Historiker – Philosoph (München 1976). (Heyne Biographien. 21.) – Alfred Jules AYER, Voltaire (London 1986).