Siegmund Christoph Graf von Schrattenbach, Fürsterzbischof von Salzburg

Siegmund Christoph Graf von Schrattenbach, Fürsterzbischof von Salzburg

In: Mozart. Bilder und Klänge. Katalog der Salzburger Landesausstellung im Schloß Kleßheim in Salzburg vom 23. März bis 3. November 1991. Veranstaltet vom Land Salzburg in Zusammenarbeit mit der Internationalen Stiftung Mozarteum. Redaktion Rudolph Angermüller und Geneviève Geffray. Salzburger Landesausstellung 6. – Salzburg: Salzburger Landesausstellungen 1991. 424.4°. Objekt-Nr.: 91, S. 102.

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Leihgeber: Kunsthistorisches Museum (Wien), Gemäldegalerie, Leihgabe an die Salzburger Residenz, Konferenzsaal. Inv. Nr. 8514 (S. 197)
Siegmund Christoph Graf von Schrattenbach, Fürsterzbischof von Salzburg

© Kunsthistorisches Museum, Wien


Anonymes Ölbild. 180 x 140 cm

Nach Studien in Salzburg und Rom wurde Siegmund Christoph von Schrattenbach, 55jährig, am 5. April 1753 zum Salzburger Fürsterzbischof gewählt. Nicht lange dauerte es und die Zeitgenossen kritisierten heftig den Regierungsstil und die Charakterzüge des Landesherrn. Entscheidungen, die er nach einem Gebet gefaßt hatte, waren unumstößlich, weil, so seine Meinung, durch göttliche Eingebung zustandegekommen. (Das meinte er auch von seiner Wahl.) Diese mystisch-intuitiv motivierte Politik, Einfalt, schlechte Umgangsformen, Jähzorn und mangelnder Verstand wurden ebenso beanstandet wie seine unzeitgemäße Geisteshaltung, die etwa in der eigenen Reflexion seines Amtes zum Ausdruck kam: Der Fürsterzbischof vertrat nicht die aufgeklärte Ideologie eines "ersten Dieners seines Staates", sondern die "barocke" des gütigen Landesvaters, des "pater patriae". Dem sozialen und kirchlichen Bereich kam das landesväterliche Wesen des Fürsten entgegen. So stellte er große Summen zur Gründung von zwei Waisenhäusern oder für Kirchenbau und -ausgestaltung zur Verfügung.
Die besondere Betonung der Tradition gipfelte 1771 in der Errichtung der Statue der unbefleckten Empfängnis auf dem Domplatz. Das ging in Stoßrichtung der fortschrittlichen Kräfte: "Ihr Thoren dieser Zeit! ihr aufgeklärten Spötter! ... Verheert, was immer einst die Tugend eurer Väter Gepflanzet hat, und pralt, der Kirche Feind zu seyn!", hieß es in einer Begleitschrift zur Einweihung. Kein Wunder, daß bald die häufigste Kritik am frömmsten Fürsterzbischof der frühen Neuzeit dessen "Bigotterie" war: "[...] und da schwang sich mancher durch lautes Rosenkranzbeten bei offenen Fenstern bis zum geheimen Rath". Polemisch bis höhnisch waren die Reaktionen auf die Einrichtung einer Christenlehrbruderschaft und die Missionsaktion, zu der der Fürsterzbischof den bekannten Wiener Jesuitenpater Ignaz Parhamer nach Salzburg gerufen hatte. "Närrisch, Närrisch, Närrisch", hallte das Sanctus, zum Spottgesang umgetextet, durch die Gassen der Stadt, "Närrisch über Närrisch Ist der Fürst und die ganze Schar und der Parhammer ist der größte Narr". In engem Zusammenhang mit dem religiös-barocken Konservativismus standen die sittlichen Maßnahmen Schrattenbachs. So verfügte er unter anderem kurz nach seinem Regierungsantritt, daß künftighin die Theatervorstellungen bei den Jahresschlußfeiern der Universität nur noch nach Geschlechtern getrennt zu geben seien. Daß die Frauen der "besseren Gesellschaft" diese hierauf sabotierten, zeugt vom geringen Verständnis der Bevölkerung für die übersteigerte Sittenstrenge Schrattenbachs. Die "Erneuerte Poenal-Verordnung. Die Fleischlichen Verbrechen betreffend" von 1753 bedrohte gar das Leugnen von Unzuchtsdelikten mit der Todesstrafe.
1771 starb Fürsterzbischof Schrattenbach. Obwohl der Fürst durchaus auch positive Seiten hatte – Höflichkeit, Freundlichkeit, Freigebigkeit, Bemühen um die Regierungsgeschäfte – war er kein "großer" Fürsterzbischof, eher ein echter Vertreter der Rokoko-Zeit, verspielt, ein Menschenfreund, ein Freund der Künste, und als solcher auch ein Förderer des jungen Mozarts.


Gerhard Ammerer


Literatur: Gerhard AMMERER, Von Franz Anton Harrach bis Siegmund Christoph von Schrattenbach – Eine Zeit des Niedergangs, in: Geschichte Salzburgs. Hrsg. von Heinz Dopsch und Hans Spatzenegger, Band II/1, besonders S. 306-323.