Einzug eines Fürsterzbischofs in Salzburg

Einzug eines Fürsterzbischofs in Salzburg

In: Mozart. Bilder und Klänge. Katalog der Salzburger Landesausstellung im Schloß Kleßheim in Salzburg vom 23. März bis 3. November 1991. Veranstaltet vom Land Salzburg in Zusammenarbeit mit der Internationalen Stiftung Mozarteum. Redaktion Rudolph Angermüller und Geneviève Geffray. Salzburger Landesausstellung 6. – Salzburg: Salzburger Landesausstellungen 1991. 424.4°. Objekt-Nr.: 90, S. 100.

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Leihgeber: Museum Carolino Augusteum (Salzburg), 4235/49
Einzug eines Fürsterzbischofs in Salzburg

© Salzburger Museum Carolino Augusteum, Salzburg


Radierung eines unbekannten Stechers, Mitte 18. Jahrhundert, mit der Stadtansicht um 1710. 33,5 x 28,8 cm.

Der "Einritt oder Einzug" eines neuerwählten Fürsterzbischofs, mit dem sich die Inbesitznahme des Erzstiftes auch öffentlich vollzog, führte für gewöhnlich von Schloß Freisaal aus zur Domkirche oder direkt in die Residenz, wo zur großen Hoftafel, gelegentlich auch zu musikalischen Darbietungen und zum Hofball, die Oberschicht geladen war und "das Volk sich an einem großen Faß Wein [besoff], das in der Residenz freygegeben wurde". Früheste Nachweise dafür stammen zwar erst aus dem 15. Jahrhundert, der Brauch selbst dürfte allerdings in ältere Zeit zurückgehen. Gewöhnlich nicht am gleichen Tag fanden dann die Übergabe des päpstlichen Palliums und die Huldigung der Stände statt.
Das Ereignis des "Einzugs" war offensichtlich von so eminenter Bedeutung, daß es der Chronist durchwegs in ausführlichster Form und in kleinsten Details aufzuzeichnen pflegte. Zu den prunkvollsten zählten wohl die "Einzüge" der Erzbischöfe Matthäus Lang (1519), Herzog Ernst von Bayern (1540), Wolf Dietrich (1587) und Markus Sittikus (1512). Aber auch noch im 18. Jahrhundert war der "Einritt eines Erzbischofs" ein eindrucksvolles Schauspiel und Spektakel, das meist in einer grandiosen Illumination der ganzen Stadt seinen Ausklang fand. Erst Salzburgs letztes geistlich-weltliches Oberhaupt, Fürsterzbischof Colloredo, inszenierte den "Einzug und Einritt" entsprechend seiner auf Sparsamkeit ausgerichteten Staatsführung "ohne vielen Kostenaufwand".
Bildliche Darstellungen von derartigen Ereignissen sind allerdings selten angefertigt worden. Eine einzige, aus dem 18. Jahrhundert, stammt von einem unbekannten Stecher, der unter Zugrundelegung einer älteren Stadtansicht von circa 1710 vermutlich den "Einzug" von Jakob Ernst Graf Liechtenstein im Jahre 1745 in einer Radierung festhielt. Der "Einzug" damals erfolgte, wie dies gegen Ende des 17. und im 18. Jahrhundert öfters der Fall war, nicht immer von Freisaal aus, sondern von Mirabell aus beziehungsweise durch das prunkvolle Linzer-Tor. Auch ritt der Fürsterzbischof in Legatenkleidung nicht mehr hoch zu Roß, sondern bediente sich des "hochfürstlichen mit rothen Samet, und von Gold inn- und auswendig reich getzierten Leibwagen", dem siebzehn Karossen voranfuhren und drei weitere folgten, besetzt mit hochfürstlichen Truchsessen, Räten und fremden Gästen, zu Pferd oder zu Fuß begleitet von Kammerdienern, Offizieren, Edelknaben und Trabanten, einer Kompanie der Bürger und der Landschaft sowie von zwölf Hof- und Feldtrompetern samt einem Pauker.
Letztere fehlten nie, wenn sich der Landesfürst öffentlich zeigte, sei es im Dom in Festis pallii oder bei Auftritten, die dem weltlichen Souverän galten. Sie waren dem "Hochfürstlichen Obrist-Stallmeister-Stab" zugeordnet und verfügten für besondere Anlässe über ziervergoldete silberne Trompeten, mit "daran hangenden Fahnen von Rothen Damasc, worauf die Hochfürstl. Wappen" prangten. Zunftmäßig organisiert, nahmen sie in der Hierarchie des Hofstaates eine recht angesehene Stellung ein. Die virtuosesten unter ihnen wurden zur Hofmusik beigezogen und hatten sowohl im Dom als auch bei Hof in Verbindung mit den anderen Musikern Dienste zu leisten. Nach zeitgenössischem Urteil waren Salzburgs Hoftrompeter im süddeutsch-österreichischen Raum wegen ihrer außergewöhnlichen Virtuosität ziemlich angesehen.


Ernst Hintermaier