Leopold Mozart

Leopold Mozart

In: Mozart. Bilder und Klänge. Katalog der Salzburger Landesausstellung im Schloß Kleßheim in Salzburg vom 23. März bis 3. November 1991. Veranstaltet vom Land Salzburg in Zusammenarbeit mit der Internationalen Stiftung Mozarteum. Redaktion Rudolph Angermüller und Geneviève Geffray. Salzburger Landesausstellung 6. – Salzburg: Salzburger Landesausstellungen 1991. 424.4°. Objekt-Nr.: 11, S. 24.

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Leihgeber: Mozart Museum (Salzburg Stadt, Salzburg), 90/1
Leopold Mozart

© Internationale Stiftung Mozarteum, Salzburg (Foto Frank, Plainfeld)


Ölgemälde, vermutlich von Pietro Antonio Lorenzoni, um 1765. 91,4 x 72,3 cm.

Johann Georg Leopold Mozart, der Vater Mozarts, stammte aus Augsburg, wo er am 14. November 1719 getauft wurde. Er war der älteste Sohn des Augsburger Buchbindermeisters Johann Georg Mozart und seiner Frau Anna Maria, geborene Sulzer. Er erhielt eine profunde humanistische Bildung am Jesuitenkolleg St. Salvator in Augsburg, daneben Violin- und Orgelunterricht. Nach dem Tod des Vaters (1736) sollte er Theologie studieren, ging jedoch nach Salzburg, erwarb 1738 das Baccalaureat der Philosophie, wurde aber im Jahr danach wegen unregelmäßigen Kollegbesuches von der Universität gewiesen. Im Grafen Thurn-Valsassina fand er einen Förderer, der ihn als Geiger und als Kammerdiener in seine Dienste nahm. 1743 wurde Leopold Mozart Mitglied der Salzburger Hofmusikkapelle, Violinlehrer am Kapellhaus – der Wohn- und Unterrichtsstätte der Domkapellknaben – und brachte es bis zum Hofkomponisten (1757) und zum Vizekapellmeister (1763).
Seit der Heirat mit Anna Maria Pertl (1747) wohnte er im 3. Stock des Hauses Nr. 225 am Löchelplatz, heute Getreidegasse 9. Mit dem Hausherrn, dem Salzburger Handelsmann Johann Lorenz Hagenauer, verband die Familie Mozart eine herzliche Freundschaft. Von den sieben Kindern blieben nur Anna Maria, genannt "Nannerl", und Wolfgang Amadeus am Leben. Bis 1760 entfaltete Leopold Mozart eine rege pädagogische und kompositorische Tätigkeit – seine Kirchenmusikwerke, Klaviersonaten, Kammermusikwerke, Divertimenti und Symphonien geben darüber Aufschluß. Groß war die kompositorische Vorbildwirkung für den Sohn, die Symphonie G-Dur wurde sogar lange Zeit für ein Werk Wolfgangs gehalten.
Nach 1760 widmete er sich verstärkt der Erziehung und Ausbildung seiner beiden Kinder und unternahm mit ihnen zu Studien- und Konzertzwecken ausgedehnte Reisen in die musikalischen Zentren Europas. Die Italien-Reisen (1769 bis 1773) absolvierten nur noch Vater und Sohn. Danach verließ Leopold Mozart Salzburg nur noch selten, meist zu Aufführungen seines Sohnes in München oder Wien. Der rege Briefwechsel, den beide führten, gibt Aufschluß über das enge menschliche und künstlerische Einverständnis zwischen Vater und Sohn, das allerdings mit Wolfgangs Eheschließung (1782), die der Vater nicht billigte, distanzierter wurde.
Leopold Mozart war, nicht nur in Salzburg, sehr geschätzt, wenn auch nicht geliebt – als kritische, gebildete, geistvolle und weltmännische Persönlichkeit, Mitglied der Mizlerschen "Societät der musikalischen Wissenschaften" und Mitarbeiter von Marpurgs "Historisch-kritischen Beyträgen zur Aufnahme der Musik". Wenn es dem tüchtigen und ehrgeizigen Musiker nicht gelang, die Hofkapellmeisterstelle in Salzburg zu erhalten – immer wieder wurde er übergangen –, so können, bei aller Devotion, nur sein Stolz, sein kritischer Sinn und seine Spitzzüngigkeit dafür verantwortlich gemacht werden. Zum anderen ehrt es diesen Mann, daß er der eigenen Karriere entsagte, um sich ganz der Erziehung seiner Kinder widmen zu können. Er war, schrieb am 28. Mai 1787 Abt Dominikus Hagenauer vom Stift St. Peter in Salzburg in sein Tagebuch, "ein Mann von vielen Witz und Klugheit, und würde auch ausser der Musick dem Staat gute Dienste zu leisten vermögend gewesen seyn...".