Anna Maria Mozart, geborene Pertl

Anna Maria Mozart, geborene Pertl

In: Mozart. Bilder und Klänge. Katalog der Salzburger Landesausstellung im Schloß Kleßheim in Salzburg vom 23. März bis 3. November 1991. Veranstaltet vom Land Salzburg in Zusammenarbeit mit der Internationalen Stiftung Mozarteum. Redaktion Rudolph Angermüller und Geneviève Geffray. Salzburger Landesausstellung 6. – Salzburg: Salzburger Landesausstellungen 1991. 424.4°. Objekt-Nr.: 10, S. 22.

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Leihgeber: Mozart Museum (Salzburg Stadt, Salzburg), 90/3
Anna Maria Mozart, geborene Pertl

© Internationale Stiftung Mozarteum, Salzburg (Foto Frank, Plainfeld)


Ölbild von Maria Rosa Hagenauer-Barducci, um 1775. 86,3 x 66 cm.

Anna Maria Walburga Pertl, die Mutter W. A. Mozarts, wurde am 25. Dezember 1720 in St. Gilgen getauft. Über ihre Kindheit und Jugend ist wenig bekannt. Als Tochter des fürsterzbischöflich salzburgischen Pflegkommissärs Wolfgang Nikolaus Pertl verbrachte sie ihre ersten Lebensjahre im Pfleggerichtsgebäude in St. Gilgen. Nach dem frühen Tod des Vaters lebte Anna Maria mit ihrer ein Jahr älteren Schwester Maria Rosina seit 1724 in ärmlichen Verhältnissen in Salzburg. Die Mutter, Euphrosina Pertl, geborene Altmann, mußte mit dem Gnadengeld das Auslangen finden. 1728 starb die Schwester Maria Rosina, kurz danach erkrankte Anna Maria schwer – noch 1734 wird von ihr als der "immerdar khrankh ligenden Tochter" gesprochen.
Am 21. November 1747 wurde Anna Maria Pertl vom Salzburger Stadtkaplan im Salzburger Dom mit dem Hofmusiker und Lehrer am Kapellhaus Leopold Mozart getraut, das Paar bezog Wohnung im dritten Stock des Hauses Nr. 225, heute Getreidegasse 9. Kennengelernt hatten sich die beiden, wie Leopold Mozart am 21. November 1772 berichtet, schon Jahre zuvor und sich am 19. Oktober 1747 in Aigen verlobt. Mehr als dreißig Jahre währte diese Ehe, die als glücklich bezeichnet werden kann. Anna Maria Mozart gebar sieben Kinder, von denen nur zwei am Leben blieben: Maria Anna, genannt Nannerl, und Wolfgang Amadeus. Beide Kinder scheinen von ihrer Mutter, neben der Begabung für Musik und alles Theatralische, auch viel Herzlichkeit, Gemüt, Sinn für Witz und Komik aber auch für Pflichterfüllung vererbt erhalten zu haben. Wolfgang soll der Mutter sehr ähnlich gesehen haben.
Auch wenn Anna Maria Mozart als Frau und Mutter nahezu immer im Hintergrund stand, ihre Vermittlerrolle im Künstlerhaushalt darf nicht unterschätzt werden. Sie "hatte wohl keine leichte Stellung zwischen dem selbstbewußten, herrisch dickschädeligen Gatten aus dem Schwabenlande, dem reichsstädtischen Frondeur gegen Fürstendienst und Fürstenautorität, und dem genialen, wirklichkeitsfremden und, wenn es um das Letzte ging, nicht minder dickschädeligen Sohn. Sie hat ihre mütterliche Sendung, zwischen den Generationen auszugleichen, mit Takt und Güte vorbildlich erfüllt..." (Erich Schenk). Auf den frühen Konzerttourneen begleitete sie ihren Mann und ihre beiden Wunderkinder – 1762/1763 nach Wien, 1763/1766 durch Westeuropa und 1767/1769 erneut nach Wien – und konnte Anteil an ihrem Erfolg nehmen. Auf der Reise nach Mannheim und Paris, die sie allein mit ihrem Sohn unternahm, mußte sie dagegen Wolfgangs erfolglose Bewerbungen um eine Stelle erleben. In Paris erkrankte sie, verlor plötzlich das Gehör, phantasierte beständig und starb am Abend des 3. Juli 1778 im Alter von 57 Jahren. Tags darauf wurde sie auf dem Friedhof von Saint-Eustache beigesetzt.
Wolfgang wagte zunächst nicht, dem Vater die bittere Wahrheit mitzuteilen, der befreundete Abbé Joseph Bullinger in Salzburg mußte Leopold Mozart auf die Todesnachricht vorbereiten. Erst eine Woche danach berichtete er dem Vater Einzelheiten über das Ende der Mutter. Das "Bedauern" und "Leidwesen" in der Stadt war "unbeschreiblich und allgemein: deine liebe seel: Mutter war von Kindheit an bekannt und aller Orten geliebt, dann sie war mit allen freundlich und beleidigte keinen Menschen", schrieb der Vater am 20. Juli 1778.


Gerhard Walterskirchen