© Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin
400-350 vor Chr.
Matzhausen (Neumarkt/Opf., Deutschland)
Höhe 23,8 cm
|
Flasche mit linsenförmigem Körper und langem, engem Hals, auf der Drehscheibe hergestellt. Auf der Schulter ein durch Stempelmuster eingerahmter Tierfries: eingeritzt (vor dem Brand) sind vier Paare von Wildtieren sowie ein Hund oder Wolf, der einen Hasen verfolgt. Da immer ein Tier der Paare etwas kleiner dargestellt und am Geweih ein Hirsch zu identifizieren ist, handelt es sich wohl auch um jeweils ein männliches und ein weibliches Tier: Hirsch und Hindin, Rehbock und Ricke, Eber und Sau, Ganter und Gans. Trotz einer gewissen Unbeholfenheit der Zeichnung sind die charakteristischen Merkmale doch gut erfaßt: Ringelschwanz und Rückenkamm der Wildschweine, die Haltung der Hirsche beim Asen. Die gestrichelte Innenzeichnung scheint dagegen weniger naturalistisch zu sein.
Der Tierfries ist in seiner Art einmalig unter den Zeugnissen keltischer Kunst. Ihm liegen Motive der oberitalienisch-ostalpinen Situlenkunst zugrunde, die ein wohl einheimischer Künstler auf eine am Ort hergestellte Tonflasche übertragen hat; die Gänse und die Wildschweine muß er aus eigener Anschauung hinzugefügt haben, denn auf den südlichen Vorbildern fehlen diese Tiere in den entsprechenden Friesen.
Ludwig Pauli
|